Zinsen: Das Ende der Laissez-Faire-Geldpolitik?

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Das Thema des Jahres an den Märkten ist, neben der Präsidentschaft von Donald Trump, die Einleitung des Endes der ultralockeren Geldpolitik. In gewisser Weise gibt es da einen Zusammenhang: Trump hat mit seinen Äußerungen das geschafft, woran die Zentralbanker zuvor gescheitert waren: die Anhebung der Inflationserwartungen der Marktteilnehmer. Auch wenn die erste Welle der Rendite-Anhebung vor allem in den USA wieder abgeebbt ist, zeichnet sich das Ende des Abwärtstrends bei den Zinsen deutlich ab.

In Europa sträubt sich die EZB noch. Mario Draghi stellt mal eben neue Kriterien auf, die „Qualität" der Inflation gefällt ihm nicht. Wie lange die EZB diesen Weg allerdings noch gehen kann, ist fraglich. Zumal sich in den USA Widerstand regt gegen den schwachen Euro, der ja mit der Niedrigzinspolitik in Zusammenhang steht.

Ein niedriger Wechselkurs ist zwar kein eigenständiges Ziel der EZB, spielt aber eine wichtige Rolle bei der Anheizung der Inflation. Denn ein fallender Euro verteuert Importe und sorgt so für Preisauftrieb – in diesem Zusammenhang findet Draghi einen schwachen Euro hilfreich beim Erreichen des Inflationsziels von „unter, aber nahe zwei Prozent“.

Die anderen großen Währungsblöcke, ganz besonders die USA, finden diese Politik nicht lustig. Ob sich die EZB nun mit der US-Administration anlegen will, weiß niemand, doch Handelskonflikte brauchen wir ganz sicher nicht. Das kann auch der EZB-Rat nicht anders sehen. Wahrscheinlich wird die Diskussion über den Einstieg in den Ausstieg aus Laissez-Faire-Geldpolitik bald beginnen muss.

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