Wirecard: Inzwischen hoch bewertet

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Wirecard hat die Ergebnisse für das dritte Quartal 2017. Im Ganzjahresvergleich zeigen sich folgende Konsequenzen:

  • Unverändert extrem dynamisches Geschäft, die voll ingegrierte Online-/Mobil-Echtzeit-Bezahlplattform ist für immer mehr Großkunden attraktiv und generiert zunehmende Skaleneffekte; daher am 26.10. zweite Prognoseerhöhung bottom line in diesem Jahr (Ebitda-FY 398u415 Mio. EUR; bisher: 392-406 Mio. EUR, zuvor: 382-400 Mio. EUR).; Transaktionsvolumen +52,8% auf 24,6 Mrd. USD (selbst qoq 23% Wachstum!), das große europäische Geschäft wächst umverändert stark um 30,91% auf 14,4 Mrd. EUR Transaktionsvolumen, Asien/USA/BRA/SA verdoppelt sich auf 10,2 Mrd. EUR Transaktionsvolumen (Wirecard macht keine Angaben zum oW, aber rd. ein Drittel des Wachstums außerhalb Europas sollte M&A-bedingt sei aus den größeren Zukäufen der letzten 12 Monate wie Citi Prepaid Serivces in den USA und GI-Prepaid in Indien; alle Zukäufe tragen, bereinigt um einmalige M&A-/Integrationskosten, lt. CEO Braun zum Konzern-Ebitda bei);
  • Umsatz +51,91% auf 406,5 Mio. EUR; im Quartal hat Wirecard rd. 1.000 (sic) neue größere/mittelgroße Kunden gewonnen (Gesamtzahl 34 TSD) und rd. 10 TSD (!!) kleinere Online-Händler (Gesamtzahl rd. 180 TSD); Bspe. für Neukunden: Aldi Süd und Aldi Nord (Kundenkarten), Kaufland (Kundenkarten), Lidl (Geschenkkarten), Ikea Südostasien (Online-Zahlungsabwicklung, Kundenkarten, Mobile Wallet, d. h., alle Kreditkarten u. Kundenkarten in einer App für Mobilzahlung), SingTel (Mobile Wallet), Swarovski (Mobile Wallet per AliPay in Europa und China), ÖBB (Voucher-Plattform), Value Retail (Betreiber von Luxus-Outlets in europäischen und chinesischen Metropolen, für den Wirecard AliPay einführt), Enjoei (Online-/Mobil-Zahlungsabwicklung für den größten brasilianischen Online-Marktplatz für Bekleidung), in den USA zudem mehrere Retailer, die die Wirecard-Mobile Wallet für Apple/Android/Samsung Pay nutzen (alle Kreditkarten plus die jeweiligen Kundenkarten); Ebitda +35,21% auf 110,2 Mio. EUR = 27,11% oM (Wirecard hatte im Quartal einmalige M&A-Kosten, die allerdings nur auf 9M-Basis angegeben werden, wenn man die gleichverteilt, kommt man auf rd. 15 Mio. höheres bereinigtes Ebitda, bereinigt 30,8% oM); FCF +24,43% auf 66,07 Mio. EUR (um 39,2% höherer Capex auf 22 Mio. EUR, vorwiegend Plattform-Einführung bei Zukäufen, wobei der Capex mit rd. 5,4% des Umsatzes weiter überschaubar ist) = 16,28% FCF-Marge, CCR 103,26%, M&A-bereinigt 19,92% und ber.
  • CCR 126,56% (FCF 9M 181,1 Mio. EUR = 17,73% FCF-Marge, CCR 107,5%, bereinigt: 20,18 FCF-Marge und 134,2% CCR – diese Werte sollten nicht auf FY hochgerechnet werden, weil Q4 wg. des für Online-Händler wichtigen Weihnachtsgeschäfts bei Wirecard rd. 35-40% des FY FCF bringt; FYe sollte der FCF rd. 275 Mio. EUR erreichen = 19,64% FCF-Marge bzw. bereinigt 23,92% FCF-Marge); Net Cash 221,7 Mio. EUR (trotz Zukäufe für 240,5 Mio. EUR in den letzten 12 Monaten, die allesamt in Cash bezahlt wurden); EK +4,88% auf 1,547 Mrd. EUR (36,73% EK-Quote = -563 bps wg. höherer Kundeneinlagen bei der Wirecard-Bank und höherer langfristiger Schulden); ROCE FYe 20,75% bzw. bereinigt um M&A-Kosten 25,28%, ROE 17,78% bzw. bereinigt 21,65%; EV 35,4x FCF FYe bzw. 28,5x FCF 2018; FV DCF 76-84 EUR.

Fazit: Die Aktie ist nach dem ansehnlichen Kursanstieg (rd. 98% ytd) hoch bewertet, allerdings leicht günstiger bewertet als der Durchschnitt der Peer Group, obgleich Wachstum und Margen merklich schneller zulegen als bei allen Peers, zudem steigen die Skaleneffekte erst jetzt nennenswert auch außerhalb des europäischen Geschäfts, weil sich die Investitionen vor allem in Südostasien allmählich auszahlen und ein enormes Wachstumspotential haben, weshalb die Aktie recht zügig in ein angemessenes Bewertungsniveau hineinwächst.

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