Wirecard: Es geht voran

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Die Geschäftszahlen von Wirecard für das Geschäftsjahr 2016 (yoy) waren sehr gut. Aus der Ad hoc-Mitteilung v. 30.1.17 ist bekannt, dass
(1) der Umsatz in Q4 und FY jeweils rd. +33,3% auf 309 Mio. EUR und 1,03 Mrd. EUR gestiegen ist,
(2) das Ebitda in Q4 und FY jeweils rd. +35,2% auf 93,5 Mio. EUR und 307,4 Mio. EUR zugelegt hat (Q4 30,25% oM = +32 bps bzw. FY 29,9% oM = +43 bps), (3) zudem die Guidance FY 2017 fürs Ebitda mit 382-400 Mio. EUR bestätigt wurde.

Der nun vorgelegte Geschäftsbericht liefert das vollständige Bild:

1.Organisch ist der Umsatz um 20,6% gewachsen, M&A hat weitere 12,7% zum Umsatzwachstum beigetragen (hiervon: GI Retail/Indien 9,5%, Wirecard Brasilien 2,1%, Provus/Rumänien 1,1%).
2. Das Transaktionsvolumen hat um 36,5% auf 61,7 Mrd. EUR zugelegt (organisch +30,2%, M&A +6,3%, hiervon: GI Retail/Indien 4,4%, Wirecard Brasilien 1,2%, Provus/Rumänien 0,7%). (Zum Vgl.: das Jahres-Transaktionsvolumen von Wirecard wickelt Depotwert Visa innerhalb von 3 Tagen ab …, allerdings wächst Wirecard organisch mehr als doppelt so schnell wie Visa.) In Europa beträgt das Transaktionsvolumen 42,1 Mrd. EUR (+23,8%), außerhalb Europas (Indien, Singapur, Indonesien, Malaysia, Philippinen, Vietnam, Laos/Myanmar, Australien/Neuseeland, Naher Osten, Türkei, Brasilien) 19,6 Mrd. EUR (+75%).
3.Die durchschnittliche Transaktions-Marge beträgt 1,5% (+50 bps), in Europa 1,3% (+10 bps) und außerhalb Europas 2,1% (+100 bps). Das Ebitda hat organisch um 27,1% zugelegt, M&A weitere 8,2% (hiervon: GI Retail/Indien 6,6%, Wirecard Brasilien 0,5%, Provus/Rumänien 1,1%). 4.Wie haben sich die Zukäufe aus 2015/16 entwickelt?
⁃GI/Indien: 73,5 Mio. EUR Umsatz, 14,9 Mio. EUR Ebitda
⁃Wirecard Brasilien: 16,2 Mio. EUR Umsatz, 1,2 Mio. EUR EBITDA ⁃Provus/Rumänien: 8,5 Mio. EUR Umsatz, 2,4 Mio. EUR Ebitda
Die Zukäufe tragen also gut zum Umsatzwachstum und ebenso ordentlich zum Wachstum der Konzernmargen bei, denn sämtliche Zukäufe sind operativ positiv – das hatten dubiose Leerverkäufer von Zatarra Research (keiner weiß bis heute, wer hinter der Firma steckt, deren Server in der Karibik war bereits wenige Stunden nach der Short-Attacke wieder abgestellt) und ein Schmierfink im MM noch anders prognostiziert.
5.Wirecard hat inzwischen rd. 27.000 größere Händlerkunden (Vorjahr: rd. 24.000) und rd. 150.000 kleinere Händlerkunden (Vorjahr: rd. 130.000). Konsumgüter machen 46,9% des Transaktionsvolumens aus (39,5% Wachstum yoy), Reise/Mobilität 18,8% (um 28% gewachsen) und Digitale Güter 34,3% (um 37% gewachsen). 2016 wurden zB Apple Pay, Ali Pay, Microsoft Cloud Azure, Verlagsgruppe Handelsblatt, Carrefour, Burger King, Lidl, O2, Miles & More (LH), The Body Shop, Printemps, WMF und Ingenico als Kunden gewonnen.
6.Das durchschnittliche Transaktionsvolumen pro Händler steigt seit Jahren kontinuierlich, weil Wirecard immer mehr große Online-Händler als Kunden gewinnt: 2016 lag das durchschnittliche Transaktionsvolumen bei 2,28 Mio. EUR, im Vorjahr waren es 2,05 Mio. EUR; zum Vgl.: 2012 waren es 1,49 Mio. EUR (= +14% CAGR 2012-2016).
7.Wirecard hat 2016 zudem eine Reihe neuer Produkte eingeführt, wie zB Omni-Channel-Shopping-Lösungen, die erstmals bei WMF installiert wurden: Kunden können Produkte im WMF-Shop sehen und sie direkt online/mobil bestellen/bezahlen. Lt. CEO Braun wird diese Lösung inzwischen bei einer Vielzahl von Kunden installiert. Für Alipay und Miles&More hat Wirecard das AliPay-Checkout-System von eurotrade-Flughäfen integeriert, so daß AliPay-Kunden über diese Plattform an europäischen Flughäfen Tickets sowie in LH-Worldshop Stores per Smartphone bezahlen können. Außerdem gewinnt das Wirecard Checkout-Portal lt. CEO Braun viele Kunden gerade bei kleineren Händlern (Zahlen werden nicht genannt), nachdem Wirecard seit 2016 zusammen mit Ad Words von Google für kleinere Händler und für Marktplätze eine vollautomatische Lösung für Online-Payment anbietet. (Visa berichtet ebenfalls, daß das Visa-Checkout-Produkt dynamisch wächst und inzwischen über 20 Mio. Nutzer hat.) Auch BOON, die Wirecard-App für mobiles Bezahlen per Smartphone, wird lt. CEO Braun gut angenommen und kommt zB bei O2 und bei Orange in mehreren europäischen Ländern zum Einsatz.
8.Der FCF legt um extrem starke +44,53% auf 209,87 Mio. EUR zu (20,41% FCF-Marge = +158 bps), CCR 118,6% – wobei der FCF bereinigt ist um 94 Mio. Nachsteuergewinn aus dem Verkauf der Visa Europe-Aktien (da M&A-bedingter Einmalertrag), berichtet liegt der FCF also entsprechend höher.
9.Die Nettofinanzposition erreicht 378,8 Mio. EUR (=1,8x FCF), EK +15,2% auf 1,48 Mrd. EUR (42,36% EK-Quote = -126 bps), das Vermögen (3,26 Mrd. EUR) übersteigt die Verbindlichkeiten (1,86 Mrd. EUR) deutlich, ROCE 19,15%, ROE 14,23%.
10.EV 28,8x FCF 2016 bzw. 23x FCF 2017e, FV DCF 57-64 EUR; die Aktie ist derzeit etwas höher bewertet als Durchschnitt der Peer Group, aber Wirecard hat auch ein schneller und profitabler wachsendes Geschäft als der Durchschnitt der Wettbewerber.
11.ÜBRIGENS: Wirecard hat FY rd. 13,3 Mio. EUR Wertberichtigungen auf Forderungen vorgenommen, das sind 1,3% vom Umsatz. Der Hauptteil stammt allerdings aus Geschäften der Wirecard-Bank mit FinTechs, aber nicht aus dem Acquiring-Bereich – da hatte das manager magazin leider Falsches berichtet und hohe Forderungsausfälle im Acquiring suggeriert. Zum Vgl.: 2015 lagen die Wertberichtigungen (Aquiring und Fintechs) bei 13,4 Mio. EUR, und das bei 25% geringerem Konzernumsatz. Das zeigt: im Acquiring-Geschäft fallen lediglich ein paar Promille des Umsatzes aus, das ist völlig üblich im Transaktionsgeschäft, Visa, MC etc. haben vergleichbare Werte, die Bonitätsprüfung ist heute sehr effizient.
12.In Q1/2017 hat Wirecard bereits drei weitere Zukäufe getätigt und den Einstieg ins nordamerikanische Geschäft gemacht:
⁃Citi Prepaid Services in Nordamerika (2.500 Unternehmenskunden inkl. Mexiko, die PrePaid-Karten für Kunden/Mitarbeiter herausgeben), Closing im März erfolgt, >20 Mio. USD EBITDA-Beitrag für 2017 erwartet (nach Integrationskosten von 5 Mio. USD); Cross Selling über Aufbau der Wirecard-Plattform
⁃Händler-Acquiring-Geschäft der Citigroup in Asien (größter Acquierer-Dienstleister in 11 asiatischen Staaten mit ca. 20.000 Händlerkunden), Signing im März 2017, >20 Mio. USD EBITDA-Beitrag für 2017 erwartet (nach Integrationskosten); starke Cross-Selling-Option für die Wirecard-Plattform
⁃My Gate, Südafrika, führender Payment-Service Provider; ca. 2 Mio. EUR erwarteter Ebitda-Beitrag 2017; Wachstum über Aufbau der Wirecard-Plattform in Südafrika und Vertrieb der kompletten Produktpalette
13.CEO Braun bezeichnete im Analysts Call die FY-Guidance (Ebitda +24-30%) als konservativ; da er anders als Investoren den Umsatz aus Q1 und den Autragseingang für Q2 kennt, ist eine Anhebung der FY-Guidance nicht unrealistisch.
14.Die dynamischen Wahstumstrends des Geschäfts sind intakt: Echtzeittransaktionen online und mobil wachsen enorm, und zunehmend werden Cash-Transaktionen von Karten-/Online/Mobil-Transaktionen substituiert, Wirecard bietet als einziger voll-integrierter Dienstleister (Payment Processing, Risk Management, Issuing/Acquiring, Kartenakzeptanzprüfung, Bank, sämtliche Online/Mobile-Infrastrukturen verfügbar, White Label-Leistungen/-Plattformen für Großkunden) für Online-Händler erhebliche Produktvorteile. Wirecard gewinnt deshalb ungebrochen eine hohe Zahl neuer Händler-Kunden, vor allem das Großkundengeschäft beschleunigt sich, und damit die Transaktionsvolumina und die strukturelle Umsatzqualität. Deshalb generiert Wirecard stark wachsende und sich weiter beschleunigende Skaleneffekte. Wegen der gut gelungenen geographischen Ausdehnung des Geschäfts auf Asien, Lateinamerika und Südafrika, wo das Online/Mobil-Geschäft der Händler ganz besonders schnell wächst, dürften die Größenvorteile von Wirecard in den nächsten Jahren noch schneller zulegen als bisher. Der Eintritt in den großen nordamerkanischen Markt geht Wirecard mit Umsicht an. Da der adressierbare Markt für Online/Mobile-Bezahlung in Echtzeit weltweit mehr und mehr wächst, ist ein intensiverer Preiswettbewerb in den nächsten Jahren eher wenig wahrscheinlich, weshalb Wirecard (noch stärker als große Plattformbetreiber wie Visa und Mastercard) eher am Anfang des Wachstums und der Skalenkurve steht – denn 85% aller Bezahltransaktionen weltweit werden heute noch in Cash abgewickelt, also nur 15% elektronisch, und von den elektronisch abgewickelten Transaktionen werden erst knapp die Hälfte voll digitalisiert abgewickelt (Echzeit, ohne Unterschrift am PoS). Daher erscheint die Mittelfristplanung von Wirecard realistisch (bis Ende 2020 Verdreifachung des Transaktionsvolumen auf >190 Mio. EUR, >2,5 Mrd. EUR Umsatz, >500 Mio. EUR FCF, was bei heutiger Bewertung der Aktie je nach net cash einen rd. 2,5-3,5x höheren Aktienkurs Ende 2020 erlaubt.

Da gibt’s eigentlich nichts mehr hinzuzufügen.

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