Warum die Korrektur an den Börsen noch nicht zu Ende ist

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Bei jedem Abrutschen der Aktienkurse haben die Analysten aus Banken und Brokerhäusern ihre Mainstream-Begründungen parat: Mal ist es der Nordkorea-Konflikt, mal das drohende Tapering der EZB, mal ein schwacher US-Präsident, der bisher keine wachstumsfördernden Reformen durchsetzt, mal die Aufwertung des Euro gegenüber dem Dollar. Zugleich wird Endzeitstimmung erzeugt. Wenn sich die Anleger dann von Aktien trennen, bringt das Banken und Brokern hübschen Provisionsumsatz. Aber ist es wirklich überzeugend, was da an Erklärungen verbreitet wird?

Es wirkt zumindest nicht sonderlich logisch, wenn an Tag 1 der Nordkorea-Konflikt für die roten Vorzeichen bei den Indizes verantwortlich sein soll, an Tag 2 das Ganze aber plötzlich kein Problem mehr ist. Oder wenn der Euro gegenüber dem Dollar aufwertet, an Tag 1 die Kurse im Dax steigen und an Tag 2 fallen, obgleich die Aufwertung des Euros gegenüber der US-Währung an Tag 2 sogar noch höher als Tag 1 ist.

Natürlich spielen die genannten Faktoren für die Kursentwicklung eine Rolle, doch wohl kaum als so dominante Faktoren an einzelnen Tagen. Die kurzfristige Kursentwicklung ist, das zeigen zahlreiche wissenschaftliche Analyse, in erheblichem Maße von Gier und Angst der Teilnehmer geprägt. Rationalere Verhaltensweisen setzen sich, wenn überhaupt, erst langfristig durch.

Das erklärt dann auch die laufende Sommerkorrektur. Es ist das schnelle Geld, also die Kurzfrist-Trader, die ihre Gewinne vom Tisch nehmen, so wie es immer geschieht, wenn in recht kurzem Zeitraum hohe Performance generiert wurde. Und das erste Halbjahr war ja bekanntlich ein sehr erfolgreiches.

Die deutschen Aktien laufen bereits seit Wochen südwärts, vor allem der Dax, die US-Indizes scheinen dagegen erst noch zu folgen. Rund zwei Drittel der Dax-Aktien befindet sich aber in den Händen von US-Institutionellen. Diese Investoren sind am Jahresanfang, stellt man eine Durchschnittsbetrachtung an, bei rund 11550 Punkten gestartet, Ende Juni waren es 12.950 Punkte, also Performance ohne Dividenden von rd. 12,1%. Im selben Zeitraum hat der EUR ggü. USD rd. 8,6% zugelegt (von 1,05 auf 1,14). Insgesamt saßen US-Institutionelle Ende Juni in USD (!) also auf 20,7% Gewinnen beim Dax (zusätzlich kamen noch Dividenden hinzu) seit Jahresanfang. Da ist völlig klar, dass das schnelle Geld schrittweise Kasse macht, denn das gibt einen hübschen Bonus.

Und in den kommenden Wochen sichern sie sich den zweiten Teil ihrer Bonus-Zahlung und nehmen die Gewinne in heimischen Aktien vom Tisch.

Hätten sie es umgekehrt gemacht, hätten sie erstens ihr Währungsrisiko zeitlich verlängert und zweitens wäre der hysterische Dax erfahrungsgemäß einem korrigierenden Dow Jones gefolgt, das schnelle Geld hätte also seinen Bonus auf die deutschen Investments gefährdet.

Und das will ja keiner der Beteiligten.

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