VTG: Bis unter die letzte Dachpfanne verschuldet

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Der SDAX-Wert VTG, ist ein Vermieter von Eisenbahngüterwaggons und kauft seinen größten Konkurrenten Nacco, eine französische Firma. Durch diesen Zusammenschluss wird VTG mit 94.000 Güterwagen Europas Marktführer, ob Schüttgut-, Auto-, Schwerlast- oder Tank-Waggons. Klingt doch gut. Ist VTG also ein Investment wert?

Die Cash-Flow-Marge ist mit idR rund 25% sehr hoch, das Geld geht aber auch meist komplett für den extrem hohen Capex drauf, die Free-Cash-Flow-Marge liegt daher fast immer gerade über der Nullinie. Der Kauf von Güterwaggons ist sehr kapitalintensiv, zudem sehr zyklisch. Letztlich reicht der FCF langfristig bei weitem nicht, um die beständig hohen Investitionen zu finanzieren, denn VTG ist bis unters Dach verschuldet:

Das Net Debt – vor Erwerb von Nacco – liegt bei 1,7 Mrd. EUR. Zum Vergleich: Der FCF liegt bei 10-15 Mio. EUR als Erwartungswert für 2017. Und das in einem Jahr, das konjunkturell den stark ausgelasteten Logistikmarkt erhebliche begünstigt.

Rechnet man den market cap von 1 Mrd. EUR hinzu, ist die Firma mit rd. 180x-270 (!!!) FCF bewertet. Und aus 10-15 Mrd. FCF können noch nicht einmal die Zinsen für die 1,8 Mrd. Schulden vollständig bezahlt werden, selbst bei Fortdauer der Niedrigstzinsphase. Ein Teil der Zinsen muss somit über neue Schulden bezahlt werden.

Der Kauf von Nacco für 920 Mio. EUR inkl. Schulden erfolgt vollständig schuldenfinanziert (500 Mio. Kredit, 300 Mio. Hybridanleihe, 120 Mio. Nettoschulden Nacco). Großaktionäre von VTG sind Morgan Stanley (Infrastrukturfonds), Kühne & Nagel und die Hertz Stiftung. Da ist klar, wer den Kredit gibt und für die Schulden haftet.

Aber Infrastruktur-Aktien sind ja beliebt, immer gerne von den Analysten empfohlen, da die Staaten ja angeblich mehr in ihre Infrastruktur investieren müssen, also werden schwachbrüstige Aktien wie Thyssen, Siemens, Hochtief, Strabag, Alstom und VTG empfohlen.

Und Morgan Stanley bietet den Anlegern das passende Produkt in Form eines Infrastrukturfonds. Ein Schelm, wer Böses dabei denkt.

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