T-Mobile US: Ein hässliches Entlein wird als stolzer Schwan verkauft

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T-Mobile USA hat ein sehr erfolgreiches erstes Börsenhalbjahr hingelegt. Gleichwohl ist die Aktie stark momentum getrieben, also vor allem stimmungsbhängig. Viele Anleger schauen nicht so genau hin und glauben den offiziellen Verlautbarungen, wonach CEO Legere das Unternehmen vom Verlust auf Gewinn getrimmt habe. Als Beleg wird gerne auch von T-Mobile USA der operative Gewinn genannt.

Nun, was hat es damit auf sich? Grundsätzlich sind weder Ebitda noch Ebit der Unternehmensgewinn, denn in diesen Kennzahlen sind Kosten wie das Zinssaldo, Unternehmenssteuern, Investitionen, Einzahlungen in Pensionsfonds etc. nicht enthalten. Zieht man fürs Geschäftsjahr 2016 vom Ebit alle weiteren Kosten ab, erhält man den Free Cash Flow, und der ist lt. Cash Flow-Statement im Geschäftsbericht (SEC Filing Form 10-k) mit rd. 2,54 Mrd. USD tiefrot gewesen.

Somit hat T-Mobile USA 2,54 Mrd. USD verbrannt. Die beiden Hauptgründe sind schnell ausgemacht: Die extrem hohe Nettoverschuldung von rd. 26 Mrd. USD (inkl. des Gesellschafterdarlehens der Deutschen Telekom und Pensionsverpflichtungen) führt zu hohen Nettozinszahlungen von rd. 1,5 Mrd. USD, zudem betrugen die Investitionen in Sachanlagen rd. 4,7 Mrd. USD und in immaterielle Güter wie Frequenzspektrum rd. 3,97 Mrd. USD, weshalb der erwirtschaftete Cash Flow (rd. 6,14 Mrd. USD) mehr als aufgebraucht wurde.

T-Mobile USA ist leider seit Jahren massiv verlustträchtig, 2015 lag der FCF-Verlust bei 1,25 Mrd. USD, 2014 bei 3,07 Mrd. USD. Das zeigt, das Umsatzwachstum mindert das Geldverbrennen nicht wesentlich. Vor diesem Hintergrund verwundert es nicht, dass die Deutsche Telekom weder einen Käufer noch einen Fusionspartner für ihre US-Tochter findet. Denn wer würde für ein Unternehmen, das idR 2-3 Mrd. USD pro Jahr verbrennt, rd. 50 Mrd. USD zahlen (Marktkapitalisierung) und zusätzlich 26 Mrd. USD Nettoschulden übernehmen?

Dass eine solche Aktie überhaupt über längere Zeit stark steigen kann, zeigt die Sorglosigkeit vieler Anleger. An den Finanzmärkten hatten wir das ja schon öfter, zuletzt im großen Stil zur Jahrtausendwende. Das Ende dieser brisanten Mischung aus Gier und Euphorie ist bekannt: Die Kurse fielen drei Jahre lang durchgängig.

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