Steht das Ende der ultralockeren Geldpolitik bevor?

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Wenige Tage, nachdem die Bundesbank angesichts des Anleihekaufprogramms der Europäischen Zentralbank (EZB) vor einer Überforderung der Geldpolitik gewarnt hatte, kam die Meldung, dass das Tempo der Ankäufe nochmal erhöht worden war. So nahmen die EZB zusammen mit den nationalen Notenbanken in der Woche zum 12. Mai Staatstitel über 12,03 Mrd. € in ihre Bücher auf, gegenüber 10,8 Mrd. € in der Vorwoche.

In Folge des Ankaufprogramms sind die Notenbanken die größten Gläubiger der Eurostaaten, wie Bundesbank-Vorstand Carl-Ludwig Thiele in Frankfurt feststellte. Aber das birgt in den Augen der Bundesbank die Gefahr, dass die Geldpolitik möglicherweise in das Schlepptau der Fiskalpolitik geraten könnte. Auf diese Weise würde entsprechend Druck aufgebaut, hohe Schulden durch niedrige Zinsen tragfähig zu machen – und zwar auch dann noch, wenn die Inflationsentwicklung eigentlich höhere Zinsen erfordern würde. Inzwischen hat das Eurosystem im Zuge seiner geldpolitischen Ankaufprogramme laut Bundesbank Staatsanleihen im Wert von rund 1,5 Bill. € in die eigenen Bücher genommen. Dieser Wert entspricht 14 % des Bruttoinlandsproduktes (BIP) im Euroraum. Bis zum Jahresende rechnet Thiele mit 2 Bill. € oder 18 % des BIP.

Wie lange wird das noch so gehen? Die Wirtschaftslage im Euroraum hat sich positiv verändert, die Inflation ist bei jenen 1,9 Prozent angekommen, die sich die EZB immer selbst als Marke für ein Ende der ultralockeren Geldpolitik gesetzt hat. „This time hasn’t come yet“, sagte dazu Mario Draghi dieser Tage seinen Kritikern in den Niederlanden. Der EZB-Chef sieht die Inflation noch nicht nachhaltig auf dem Weg in Richtung des EZB-Zielwerts von knapp unter 2 %. Dennoch gehen Beobachter wie Clemens Fuest, Chef des Ifo-Instituts in München, davon aus, dass die Notenbank ihren Kurs nicht mehr lange wird durchhalten können.

Weiterhin Druck in diese Richtung macht auch Jens Weidmann, einer der schärfsten Kritiker der lockeren Geldpolitik. So helfen in den Augen des Bundesbank-Chefs die sich festigende wirtschaftliche Entwicklung im Euroraum und der robuste Ausblick dabei, „die Normalisierung in den Blick zu nehmen“. Selbst Yves Mersch aus dem EZB-Direktorium äußerte sich vor kurzem in ähnlicher Form. Steht also der insbesondere von der Finanzbranche herbeigesehnte Einstieg in den Ausstieg aus der expansiven Geldpolitik kurz bevor? Zum Schwur kann es bereits im Juni kommen. Dann könnte die EZB tatsächlich, wie von vielen Beobachtern erwartet, ihre geldpolitischen Leitlinien ändern und im September bekannt geben, wie sie aus der expansiven Geldpolitik aussteigen will.

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