Starbucks: holt Schwung für den nächsten Schub

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Starbucks hat die Zahlen für das vierte Quartal 2017 kürzlich vorgelegt. Quintessenz: Das Quartal begeistert die Anleger sicherlich nicht. Das Geschäft in den USA läuft aber nach wie vor solide trotz des signifikanten wetterbedingten Umsatzausfalls, China wächst weiter enorm stark, ab kommendem Jahr, nach Closing, kommt der volle Umsatz-/Ergebnisbeitrag von rd. 1.300 chinesischen Restaurants hinzu: Starbucks hatte einen Teil des Geschäfts dort mit einem taiwanesischen Partner betrieben und dessen 50%-Anteil in Q3 gekauft. In den USA sollten die Tickets nach und nach mit mehr neuen Roasteries und Reserve Stores steigen. Im Einzelnen:

⁃ Softeres comps-Wachstum diesmal von +2% auf 5,7 Mrd. USD, wobei die Hurrikans in den USA 1% bei den Transaktionen gekostet haben, weil rd. 1.100 SBUX-Stores vorwiegend in Texas und Florida über Wochen geschlossen waren, das sind immerhin 8% der Stores in den USA ohne Umsatz im mehreren Wochen, so daß das oW im Konzern diesmal von den Tickets kommt. Berichtet steigt der Umsatz, bereinigt um eine zusätzliche Kalenderwoche im Vorjahresquartal, um 7,54%, weil yoy 2.254 neue Filialen eröffnet wurden, davon fast die Hälfte in China (im Quartal wurden konzernweit 603 neue Filialen eröffnet, insgesamt betreibt SBUX jetzt 27.339 Läden).

⁃ Die comps auf dem wichtigen US-Markt (fast drei Viertel des Konzernumsatzes) sind trotz der Hurrikans um 2% gestiegen (ausschließlich Tickets, Transaktionen flat wg. Hurrikans). Das ist mE eine hervorragende Leistung – denn immerhin waren rd. 8% der Filialen in den USA über Wochen dicht, und dennoch schafft SBUX auf dem Heimatmarkt ein – wenn auch kleineres – Wachstum. Das zeigt, wie robust das Geschäft mittlerweile ist. Es wäre wohl noch besser ausgefallen, wenn SBUX nicht eine selbstverschuldete operative Bremse gehabt hätte: Im Analysts Call räumte CEO Johnson ein, die Restaurant-Mitarbeiter in den USA seien mit dem großen Andrang durch die bei den Kunden in den USA mittlerweile sehr beliebte App für Mobile Order & Pay zu Stoßzeiten und auch von der zuletzt gewachsenen Zahl von Menu-Kombis überfordert, was die comps gebremst habe; man habe die Menu-Kombis daher mittlerweile vereinfacht und Mobile Order & Pay fürs Personal einfacher handhabbar gemacht. Trotz dieses operativen Problems ist der Erfolg von Mobile Order & Pay wirklich äußerst erfreulich, weil es zu höherem Umsatz führt (Johnson hat in allen Analysts Calls der letzten Quartale gesagt, die App erhöhe vor allem die Tickets, aber auch die Transaktionen, im Berichtsquartal zB kamen lt. Johnson bereits 11% der Transaktionen über die App), langfristig die Bestellprozesse vereinfacht/kundenfreundlicher gestaltet und Opex senkt, weshalb SBUX die App nach und nach in allen Märkten verfügbar macht. In China (zweitgrößter Markt mit rd. 15% des Konzernumsatzes) ist das comps-Wachstum mit 8% unverändert sehr dynamisch (davon 7% Transaktionen und 1% Tickets), in Asien insgesamt 2% höhere comps, in Nord-/Südamerika +3% (hiervon 2% Tickets und 1% Transaktionen), Europa/Naher Osten +1% (+3% Tickets, -2% Transaktionen wg. verregnetem Sommer).

⁃ Wg. der mittlerweile erreichten Konzerngröße senkt SBUX die Langfrist-Guidance fürs jährliche comps-Wachstum auf 3%-5% (von 4%-6%), das berichtete Umsatzwachstum soll sich allerdings unverändert im hohen einstelligen Bereich bewegen. Auch wenn SBUX mit rd. 2.500 neuen Läden in China bis 2020 das Wachtumstempo hochhalten will, kann SBUX mit seiner hohen Anzahl von Läden auf seinem Heimatmarkt derzeit eher nur über die Tickets wachsen, was allerdings nicht in jedem Quartal gelingt in den letzten zwei, drei Jahren. Daher will SBUX, wie öfters berichtet, im Premium-Segment wachsen: erstens über große, sehr hochwertig eingerichtete „Roasteries“ auf ca. 10.000 qm, mit eigener Rösterei, hochwertigen Produktangeboten für Kaffeegetränke, auch vermehrt die beliebter werdenden kalten Kaffeegetränke, Tee und frische, hochwertige Backprodukte (dafür hat SBUX die italienische Premium-Bäckerei Princi gekauft); in Seattle wurde vor knapp einem Jahr die erste Roastery eröffnet (Fotos auf der SBUX-Webseite), dort beträgt das Durchschnitts-Ticket 20 USD ggü. 8 USD in den normalen SBUX-Läden; die nächsten Roasteries werden demnächst in Shanghai/2 Roasteries, Chicago, NY, Mailand und Paris eröffnet; Anfang November hat SBUX in der Roastery in Seattle die erste Princi-Bäckerei eröffnet, deren Produkte nach und nach konzernweit in Premium-Läden angeboten werden; zweitens will SBUX im Premium-Bereich über „Reserve Stores“ wachsen, das sind genauso hochwertig eingerichtete Läden wie die Roasteries, nur ohne eigene Rösterei und mit kleinerer Ladenfäche, aber mit ebenfalls hochwertigem Produktangebot inkl. der Princi-Backprodukte (bis 2020 sollen rd. 1.100 Reserve Stores eröffnet werden).

⁃ Ein wichtiger Wachstumstreiber ist „Starbucks Rewards“, das Kundentreueprogramm, das bisher in den USA eingesetzt wird. Dort kommt mittlerweile 36% des Umsatzes aus dem Programm, im Berichtsquartal ist die Nachfrage dieser Kunden in den USA um 8% gewachsen, die Nachfrage der mittlerweile 13,3 Mio. Teilnehmer kommt bereits vorwiegend aus der App Mobile Order & Pay. SBUX weitet das Programm und auch Mobile Order & Pay nach und nach auf andere Märkte aus. In Japan wurde „Starbucks Rewards“ in diesem Geschäftsjahr eingeführt, innerhalb weniger Monate hat das Programm dort bereits 2 Mio. Mitglieder.

⁃ Zunächst in den USA will SBUX mit JP Morgan Chase eine Visa-SBUX-Kundenkarte herausgeben, die auch in der Mobile Order & Pay App genutzt werden kann, bei deren Nutzung die Kunden Punkte fürs SBUX-Treueprogramm sammeln können, auch wenn sie per Visa-SBUX-Kundenkarte bei anderen Retailern Käufe tätigen.

⁃ Sodann hat SBUX die Tee-Marke Tazo für 384 Mio. USD an Unilever verkauft, weil SBUX sich auf die Teavana-Premium-Marke konzentriert (Teavana-Läden wurden geschlossen, Verkauf von Teavana nun ausschließlich in den SBUX-Läden).

⁃ Das Ebit sinkt, bereinigt um die zusätzliche Kalenderwoche im Vorjahresquartal, um 10,22% auf 1,02 Mrd. USD = 17,94% oM (-355 bps); Gründe: höhere COGS wg. des höheren Umsatzanteils von Food im Berichtsquartal, höhere Kosten für die Eröffnung von Stores vor allem in China, wo SBUX im hohem Tempo neue Stores eröffnet (im Quartal dort über 250), für die Eröffnung von Roasteries und Reserve Stores, höhere Ausgaben für die Implementierung und Etablierung von Mobile Order & Pay auf Märkten außerhalb der USA. Auch FY geht die oM deswegen um 69 bps auf 18,47% zurück – die oM liegt dennoch im Vergleich zu den Peers in der Spitzengruppe. Langfristig will SBUX mit „12% oder mehr“ bottom line zulegen.

⁃ Berichteter FCF FY -11,04% auf 2,74 Mrd. USD (bereinigt um die 53. KW im Vorjahr), CCR 95%; vier Gründe: erstens rd. 5,5% (79,1 Mio. USD) höherer Capex für die Eröffnung einer hohen Stores-Anzahl und für die Mobile-App, zweitens (nicht-cashwirksame, aber den berichteten FCF mindernde) Firmenwertabschreibung auf geschlossene Teavana-Shops (87,2 Mio. USD), drittens war im Vorjahr ein um 36 Mio. USD höherer Netto-Cashzufluß aus Asset-Verkäufen (Übertragung der europäischen Stores an einen Franchisenehmer) angefallen als im Berichts-Geschäftsjahr, viertens Cash-Abfluß aus wc-Effekten (vorwiegend mehr sonstige Assets wg. neuer Stores) in Höhe von 264 Mio. USD; bereinigt um die wc-Effekte und um die Asset-Verkäufe aus dem Vorjahr sinkt der FCF um 1,12% auf 3,01 Mrd. USD = 13,45% bereinigte FCF-Marge (-83 bps), bereinigte CCR 104%; SBUX hat also erneut sehr gut verdient, obwohl sie viel ins Wachstum investieren (mit 6,79% vom Umsatz liegt die Capex-Quote derzeit im obersten Bereich des Durchschnitts der vergangenen 10 Jahre) und die Teavana-Shops geschlossen haben (Teavana wird nun ausschließlich in den SBUX-Stores verkauft).

⁃ Nettofinanzschulden unverändert niedrig mit 699,4 Mio. USD (0,23x FCF); core net working capital -6,3%, Eigenkapital -7,37% auf 5,45 Mrd. USD wg. Vernichtung rückgekaufter Aktien und geringerer Gewinnrücklagen (37,94% EK-Quote = -317 bps wg. höherer langfristiger Verbindlichkeiten), weiterhin extrem hohe Kapitalverzinsung: ROCE 48,945, ROE 55,23%.

⁃ Im Berichtsquartal wurden weitere 15,1 Mio. Aktien zurückgekauft (im aktuellen Programm können noch rd. 80 Mio. Aktien zurückgekauft werden), Quartalsdividende +20% auf 0,30 USD/Aktie; Johnson teilte mit, der Verwaltungsrat habe ein neues Programm genehmigt, mit dem in den kommenden drei Jahren weitere 15 Mrd. USD an die Aktionäre fließen über Aktienrückkäufe und Dividenden (dieses Jahr waren es 1,45 Mrd. an Dividenden und 2,04 Mrd. für Aktienrückkäufe), also will SBUX künftig deutlich mehr Geld an die Aktionäre zurückgeben.

⁃ Rosalind Brewer ist zur neuen Leiterin des Amerika-Geschäfts ernannt worden ist zugleich COO des Gesamtkonzerns – innerhalb eines Jahres hat SBUX also mit Kevin Johnson einen neuen CEO, während Chairman Schultz sich auf den Aufbau des Premium-Segments konzentriert, und mit Brewer kommt nun eine neue Nr. 2 im Vorstand.
⁃ Enterprise Value 27,54x FCF bzw. 25,8x FCF 2017-18e, FV DCF 57-64 USD/Aktie – ergo ambitionierter bewertet, allerdings muß berücksichtigt werden, daß SBUX ordentlich, stetig wächst und dabei glänzend verdient und eine enorm hohe Kapitalverzinsung schafft, und das trotz der hohen Investitionen ins Wachstum im Premiumbereich und in die Geschäfts-Digitalisierung, die nach und nach die Margen weiter anwachsen lassen sollten.

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