Sell in May …?

Veröffentlicht am

Alle Jahre wieder sorgt ab Ende April eine der bekanntesten Börsenregeln für viel Gesprächsstoff auf dem Parkett. Sell in may and go away, but remember to come back in September. Selbst Anfängern an der Börse ist diese Weisheit bekannt. Die Umsetzung ist denkbar einfach: Anleger sollen ab Anfang Mai ihre Aktien verkaufen und bis Ende September nur Cash halten. Spätestens im Oktober beginnt dann die lukrative Zeit an den Börsen, die bis April andauert. Soweit die Theorie, in der Praxis lohnt es sich, ganz genau hinzuschauen. Sollten auch Privatanleger ihre Anlageentscheidungen an der populären Regel ausrichten?

Wer schon länger an der Börse dabei ist, würde dem wohl zustimmen. Einige Ereignisse in der jüngeren Vergangenheit dürften noch in schlechter Erinnerung sein. Gerade die Schwäche in den Sommermonaten ist ein eher junges Phänomen, das auf einigen Sonderfakten beruht.
Die schwache Performance zwischen Frühjahr und Herbst ist vor allem darauf zurückzuführen, dass es in dieser Zeit seit der Jahrtausendwende häufig zu größeren Krisen kam. In 2001 und 2002 ließen die Anschläge in New York sowie die anschließenden Rezessionsängste die Kurse abwärts taumeln. Ab dem Spätsommer 2008 führten der Crash am US-Immobilienmarkt und die dann folgende Finanzkrise zu kräftigen Verlusten. Nur drei Jahre später hielt die Euro-Schuldenkrise Anleger in Atem. Fakt ist: Ob Zufall oder nicht, gerade in den Sommermonaten gilt es verstärkt auf Warnsignale zu achten.
Die Unterscheidung in starke (November bis April) und schwache Börsenmonate (Mai bis Oktober) lässt sich auch durch Daten belegen. In den vergangenen 51 Jahren legte der Dow Jones zwischen November bis April 41 Mal zu, was einer hohen Gewinnquote von rund 80 Prozent entspricht. Recht häufig kletterten die Kurse in dieser Zeit prozentual zweistellig. Auch 2016/17 funktionierte der Ansatz gut, zwischen November bis April legte der Dow Jones um gut 15 Prozent zu. Hingegen fällt die Bilanz für die Periode von Mai bis Oktober sehr durchwachsen aus. Nur in 29 der 51 Zeiträume behielten die Bullen die Oberhand. Seit 2000 kam es nur in 2003 und 2009 zu Gewinnen von mehr als zehn Prozent. In beiden Jahren durchlief die US-Wirtschaft zuvor eine Rezession, der einen Crash an den Börsen auslöste. Ohne diesen Sonderfaktor würde das Resümee vermutlich noch schlechter ausfallen.

Von den schwachen Vorgaben an der Wall Street ist natürlich auch der DAX betroffen. Seit dem Start 1988 dominierten im Zeitraum von Mai bis Oktober lediglich 16 Mal grüne Vorzeichen. Wesentlich lukrativer ist auch beim DAX der Zeitraum von Oktober bis Mai. Wer in der saisonal starken Phase investiert ist, setzt auf eine Gewinnquote von knapp 90 Prozent. Unter dem Strich kletterte der DAX um gut 13 Prozent, die Rendite liegt somit deutlich über der langjährigen durchschnittlichen Performance. Anders formuliert: Anleger brauchen nur in der starken Phase investiert zu sein und erzielen dennoch eine höhere Rendite.

Allerdings sollten Anleger eines stets wissen: Es handelt sich bei diesen Beschreibungen lediglich um Korrelationen, keinesfalls um Kausalzusammenhänge. Denn es gibt – niemals – einen zwingenden Zusammenhang zwischen saisonalen Effekten und Börsenerfolg. Dass es eben immer auch anders kommen kann, erlebten Anleger zu Beginn des Börsenjahres 2016, als in den gewöhnlich saisonal starken Monaten Januar und Februar der Dax – und viele andere westliche Märkte – von rund 10.800 Punkten auf 8.700 Punkte innerhalb von sechs Wochen fiel – ein scharfer Einbruch von rund 20 Prozent innerhalb von sieben Wochen.

Sollten Anleger somit in diesem Jahr ab Mai ihre Aktienquote deutlich reduzieren und der Regel Sell in may folgen? Nun, gerade in 2017 haben die Optimisten noch ein Ass im Ärmel. Der US-Präsidentschaftszyklus zeigt in Nachwahljahren meist nur eine Schwächephase im Juni, vor allem der Mai ist deutlich positiv. Erst ab August wird es in Nachwahljahren ungemütlich, besonders der September fällt überwiegend sehr negativ aus. Allerdings: Da der US-Präsident nur alle vier Jahre gewählt wird, ist die Datenlage bisher noch dünn und muss mit Vorsicht berücksichtigt werden.

Grundsätzlich sollten Anleger bei ihren Entscheidungen ab jetzt berücksichtigen, dass mit dem Mai die schwächere Phase an der Börse begonnen haben kann und eine Berg- und Talfahrt zu erwarten sein kann. Entsprechend gilt es, sich Investments genauer anzusehen.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.