Reckitt-Benckiser: Der Markt übertreibt nach unten

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Laut Umsatzbericht Q3 ist der Umsatz yoy um +17% auf 2,56 Mrd. GBP gewachsen (Konsens: 15%), der Großteil des Umsatzwachstums ist FX-bedingt; organisch bei konstanten FX hat Reckitt-Benckiser (RB) diesmal nur um +2% zugelegt, damit 80 bps unter dem Konsens. FY hat RB die Guidance fürs organische Wachstum auf 4% zurückgenommen (bisher: 4-5%).

Grund: Der Umsatz in Südkorea ist eingebrochen nach über 100 Todes- und Krankheitsfällen von Schwangeren und Kindern, die ein Oxi-Desinfektionsmittel von RB in Luftbefeuchtern genutzt und eingeatmet hatten. Dennoch ist RB in den Emerging Markets organisch um solide 7% gewachsen. RB hat 300 Mio. GBP für Entschädigungszahlungen an Opfer und Hinterbliebene bereitgestellt. Analysten befürchten, das könnte nicht ausreichen. Allerdings hat RB ungefähr die Entschädigungssummen freiwillig gezahlt, die in vergleicharen Fällen von Gerichten festgesetzt worden sind.
Das Unternehmen ist ein Top-Ostperformer, dennoch wird die Aktie sehr kritisch gesehen. RB wird in H2 allein FX-bedingt nochmals eine merkliche Margenerhöhung haben. CEO Kapoor hatte bei der Vorstellung des H1-Berichts im Juli von einer Beschleunigung des ohnehin bei RB fast immer realisierten Margenwachstums mit dem schwächeren GBP seit dem Brexit berichtet. Das Margenwachstum sollte allein FX-bedingt in H2 anhalten.
Angenommen, der FCF steigt dieses Jahr wg. der o. g. Entschädigungszahlung trotz höherer FX-bedingter Margen nicht, dann wäre die Aktie jetzt mit rd. 26x FCF nicht zu hoch bewertet für eine Firma mit rd. 20% FCF-Marge, extrem starken Marken, robustem Wachstum und solider Bilanz.
Klar, in EUR liegt die Aktie ytd rd. 3% unter Wasser, in GBP hat sie allerdings ca. 18% zugelegt. FX-bedingt dürfte die Aktien-Performance in EUR dieses Jahr halt extrem bescheiden sein; das GBP wird irgendwann auch wieder steigen, dann wird man auch als Euro-Investor wieder merken, daß RB trotz des softeren organischen Wachstums in Q3 wg. des Südkorea-Themas eine extrem gut verdienende Firma ist.
CEO Kapoor räumte ein, daß Q3 schwach war, nicht nur wg. Südkorea, sondern weil RB in USA und in Europa organisch diesmal nicht gewachsen ist. RB will nun offensiver werden im Vertrieb. CFO Hennah kündigte für H2 höhere Margen an, nicht nur FX bedingt, sondern auch effizienzbedingt und wg. eines besseren Preismixes. Das schwächere GBP bringe nicht nur Vorteile, sondern zT auch höhere Beschaffungskosten u. höhere Opex. Per saldo würden die Margen aber höher liegen als in H2/2015.

Q3 war top line das schwächste Quartal von RB seit 2011. Damals hat RB mächtig Gas gegeben mit neuen Produkten, agressivem Vertrieb, schwächere Marken wurden abgegeben, andere hinzugekauft. Kapoor äußerte sich entschlossen, das Wachstum wieder zu beschleunigen.
So ein „Schuß vor den Bug“ tut jedem gut, wenn es vorher lange prima gelaufen ist, dann strengen sich alle wieder mehr an. Zudem scheint die Konsumnachfrage z. Zt. ohnehin etwas softer zu sein; Unilever hatte kürzlich ebenfalls maue organische Zahlen bei Home/Personal Care gemeldet.
RB hat den Konsens beim organischen Wachstum in Q3 um 80 bps bzw. rd. 20 Mio. GBP verfehlt. Zudem berichtet das Unternehmen über leicht steigende Margen, ohne daß sie auf Q3-Basis konkrete bottom line-Zahlen nennen. Letztes Jahr hatten sie rd. 19% FCF-Marge FY, nehmen wir an, jetzt schaffen sie 20%, also haben sie 4 Mio. FCF weniger als der Markt erwartet hat. Der market cap sank deswegen heute um rd. 1,2 Mrd. GBP. Das ist meines Erachtens eine groteske Übertreibung.

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