Nike liegt weiter Lichtjahre vor adidas – sollte aber vor Rorsted Respekt haben

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Das SEC-Filing „Form 10-k“ für Q2 liegt vor, weshalb nun auch eine Aussage zum Cash Flow, zur Kapitalverzinsung sowie zum EV möglich wird.

Mit 9,05% ist die FCF-Marge von Nike wieder ordentlich und galaktisch weit vor allen Peers – etwa 3x höher als die FCF-Marge von adidas. Under Armour dümpelt weiter an der Null-Grenze, asics bei knapp 3% FCF-Marge, Puma um 1%. Auch wenn die FCF-Marge von Nike derzeit nicht zweistellig ausfällt: Die CCR bleibt mit 88% weiter soft.

Nike investiert wie angekündigt im laufenden Geschäftsjahr mehr in Automatisierung/Outsourcing der Produktion (in den USA per Joint Venture mit Apollo), was ein guter move ist, denn mittelfristig erhöht Nike mit effizienterer Produktion die Margen, liefert neue Kollektionen noch schneller zum Kunden und kann noch mehr personalisierte Produkte zu höheren Preisen verkaufen.

Zweitens bleiben die inventories recht hoch – rd. 14,7% des Jahresumsatzes, was aber im Vergleich zu den Peers ein sehr guter Wert ist, die idR bei über 19% inventories liegen, adidas zB bei über 21%. Die Inventories sind aber bei Nike wieder langsamer gewachsen sind als der Umsatz (inventories + 4%, Umsatz +6,4% bzw. rd. 8,3% FX-bereinigt), was ebenfalls gut ist, denn gerade in der Vorweihnachtszeit macht Nike das Lager voll (es gibt nichts Schlimmeres, als in der Zeit zu wenig Ware zu haben). In H2 sollten sich die Inventories wie üblich nach Weihnachten (also vor allem erst in Q4, denn Weihnachten lag im Q3 des Geschäftsjahres von Nike) auf einem niedrigeren Niveau einpendeln, so daß die FCF-Marge für das Geschäftsjahr wieder im zweistelligen Bereich landen könnte, was aber auch vom weiteren Capex in die Produktionstechnik abhängen dürfte.

Sodann muß berücksichtigt werden, daß der starke USD im Berichtsquartal erneut knapp 2% Umsatz gekostet hat, weshalb der FCF FX-bereinigt bei der 24%igen Steuerquote im Berichtsquartal rd. 120 Mio. USD höher liegt als der berichtete FCF von 740 Mio. USD, FX-bereinigt erreicht die FCF-Marge 10,51% . Die FX-bereinigte FCF-Marge von adidas liegt hingegen bei gerade 2%.

Wenn man nun auch noch den Capex „normalisiert“, also die aktuell höheren Investitionen – die zu einer deutlich sprungfixen Capex-Funktion führen – auf 5 Jahre verteilt, landet man bei gut 11% FCF-Marge.

Somit wird deutlich, daß Nike weiter um Lichtjahre vor adidas liegt. Dennoch werden die Nike-Chefs Knight und Parker ganz sicher genau analysieren, was adidas-Chef Rorsted macht, denn den müssen sie wirklich Ernst nehmen – weil Wettbewerb anspornt, wird Nike aber künftig eher noch besser als schlechter. So ist zB das JV mit Apollo definitiv eine Reaktion auf Rorsteds Berufung bei adidas, denn Nike kann mit dem JV seine Produktion (gerade in den USA, dem Markt mit der höchsten Wettbewerbsintensität) noch schneller als früher geplant dezentralisieren und automatisieren.

Das erhöht nicht nur die Margen, sondern hat, wie erwähnt, zwei weitere strategisch wichtige vertriebliche Effekte: Zum einen wird die Zeitspanne verkürzt, in der neue Kollektionen in den Stores verfügbar sind, zweitens können mit schnellerer Automatisierung noch mehr Produkte personalisiert werden. Beide Effekte sind für Nike als „coole Lifestyle-Marke“ sehr wichtig im Wettbewerb mit adidas und Under Armour. So will adidas erst dieses Jahr seine erste Produktionsstätte für automatisierte Sportschuhproduktion eröffnen – mehr als 11 Jahre, nachdem Nike damit begonnen hat.

Der ROCE erreicht mit 33,2% FYe wieder ein sehr hohes Niveau.

Der EV liegt bei 25,5x FCF FYe, also sportlich, aber angemessen bei dem profitablen Wachstum und dem gigantischen Margenvorsprung vor allen Peers – zumal adidas mit rd. 56x FCF extrem überteuert ist und UA (angenommen, sie schaffen doch mal 1% positive FCF-Marge) mit rd. 260x FCF völlig irrational bewertet ist (Puma mit rd. 95x FCF bei gut 1% FCF-Marge und asics mit rd. 44x FCF bei knapp 3% FCF-Marge ebenso massiv überteuert).

Übrigens sind auch die „demand creation costs“ (also Ausgaben für Sponsoring) bei Nike absolut leicht rückläufig, weshalb ihr Anteil um Umsatz um 70 bps auf 9,3% zurückgeht. Nike gibt mit rd. 3,5 Mrd. USD p. a. nicht mehr aus als adidas fürs Sponsoring, obwohl Nike rd. 70% mehr Umsatz macht – die Sponsoring-Effizienz von adidas ist eine weitere große Baustelle für Rorsted.

ENDE

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