Netflix: Die Zocker-Aktie – und die heimliche Hoffnung auf eine Übernahme

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Alle lieben Netflix: Kunden, die sich an den Serien erfreuen; Aktionäre, die sich an Kurssteigerungen berauschen. Also alles im grünen Bereich? Mitnichten.

Die Aktie schoss kürzlich nach Bekanntgabe der Zahlen nachbörsl. rd. 8% in die Höhe. Ist Netflix ein Value-Investment? Nun, Netflix ist ein Target für Mega-Zocker, und das lässt sich mit Fakten belegen:

(1) Netflix hat noch nie Geld verdient. Selbst in diesem Jahr rechnet das Unternehmen bei einem Umsatz von über 11 Mrd. USD mit einem FCF-Verlust von 2-2,5 Mrd. USD. Ein Witz: Wie viel Umsatz braucht Netflix, um kein Geld mehr zu verbrennen – 20 Mrd., 30 Mrd.? Bisher hat das dynamische Umsatzwachstum von rd. 30% p. a. lediglich zur gleichzeitigen (meist überproportionalen) Erhöhung der Verluste geführt.

(2) Die operative Marge ist mit unter 10% viel zu gering, um gutes Geld zu verdienen. Die Kosten für Einkauf und Produktion der Inhalte sind sehr hoch, zudem ist die Preissetzungsmacht bei den vielen Wettbewerbern von Sky über amazon bis iTunes überhaupt nicht vorhanden, die Kosten für Kundengewinnung und Kundenbindung sind deshalb astronomisch. Die Aktie hat zudem wegen ihrer galaktisch hohen Bewertung eine beträchtliche Fallhöhe: EV > 70x Ebitda (EV nach FCF geht ja nicht, da FCF nicht vorhanden) – zum Vgl.: Aktien wie Henkel, Church & Dwight oder Reckst Benckiser sind idR mit 13-17x Ebitda bewertet (was auch nicht billig ist), haben allerdings zweistellige FCF-Margen.

(3) Die hohen Schulden von über 3x Ebitda kann Netflix gar nicht tilgen. Da der FCF tiefrot ist, steigt die Schuldenlast.

Fazit: Netflix ist ein Unternehmen, das mit Tesla vergleichbar ist: Gute Idee, nur – was kann Netflix besser als Sky, Amazon, Apple etc.? Und Mega-Geldverbrenner Musk sollte sich auch mal fragen, was Tesla besser kann als Toyota, Daimler, Renault oder BMW, sobald die ein größeres Absatzpotential für Elektroautos sehen, werden sie die nicht mehr nur, wie heute, in Nischenmodellen haben, sondern auch in Volumen-Modellen. Dann bauen sie die Autos mit hohen Skaleneffekten, das kann Tesla nicht. Ähnlich ist es bei Netflix, die treten zunehmend gegen Wettbewerber an, die ihren Kunden ein Ökosystem bieten und Filme/Serien eher per cross selling betreiben. Netflix wird notwendigerweise auf Dauer erhebliche, zunehmende Größennachteile haben.

Und irgendwann sind sie pleite – oder werden zu einem horrenden Preis übernommen. Vielleicht ist das ja der geheime Masterplan des Netflix-Managements …

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