Nestlé: Unerbetene Ratschläge eines aktivistischen Aktionärs

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Spätestens seit dem gescheiterten Übernahmeversuch von Unilever durch Kraft-Heinz müssen Nahrungsmittelkonzerne damit rechnen, von Finanzinvestoren ins Visier genommen zu werden. Entsprechende Andeutungen hat Konzernchef Mark Schneider bereits im April gemacht. In einem Schreiben vom Sonntag wendet sich nun Third Point, ein Investoren-Aktivist, an die Nestlé-Konzernspitze. Third Point gehört zu den zehn größten Nestlé-Investoren. Die Aktie des Konzerns legte heute um mehr als vier Prozent zu – neues Allzeithoch.

Dan Loeb, Chef von Third Point, ging somit vor nicht allzu langer Zeit mit 1,25% bei Nestlé rein und macht jetzt öffentlich viel Aufsehen mit seinem Brief. Darin sind die üblichen Forderungen des schnellen Geldes enthalten, die eine rasche Aktienkurssteigerung bringen sollen, dann will der Hedge Fund wieder aussteigen – und langfristig wäre Nestlé geschwächt, wenn es die Vorschhläge des Aktivisten umsetzt.

Loebs Forderungen sind: schnellerer Konzernumbau mit oM-Ziel für 2020 bei 20% (jetzt rd. 15,5%), schneller wachstumsschwaches Geschäft verkaufen, Anteil an L’Oréal verkaufen – und alle Erlöse sollen für Aktienrückkäufe verwendet werden, zudem Verdoppelung der Nettoschulden, auch das soll in Aktienrückkäufe gehen.

Nestlé-Chef Schneider sollte Herrn Loeb sachlich antworten – vielleicht so:
– Nestlé hat seinen Konzernumbau beschleunigt und wird das hohe Veränderungstempo beibehalten, Prozesse vereinfacht, time-to-market verbessert, Artikel von 125 TSD auf 75 TSD reduziert, weitere Reduktion auf rd. 45 TSD läuft, N. ist besser als alle Peers bei Premium, Gesundheit und Personalisierung positioniert und wird den Vorsprung weiter ausbauen, all das hat die oM erhöht, das Cash wird aber in mehr F&E und Capex für gesteckt, um den Vorsprung zu verfestigen; ein Margenziel für 2020 macht deshalb keinen Sinn, Ziel ist die nachhaltige, langfristige Erhöhung der Profitabilität;
– L’Oréal ist eine höchst werthaltige Beteiligung, die gerade mit den werthaltigen Premium-Marken mehr verdient als alle Peers und als Weltmarktführer solide wächst, es wäre falsch, die langfristige Wertsteigerung aus der Hand zu geben, zumal L’Oréal sehr gut in das Haut-Gesundheitsthema von N. hinein passt – wenn die alte Bettencourt stirbt, könnte Nestlé sogar L’Oréal kaufen statt verkaufen;
– Schulden für Aktienrückkäufe sind für Nestlé nicht sinnvoll, weil der FCF wertsteigernder für Zukäufe kleinere und mittlerer wachstumsstarker Marken eingesetzt wird;
– Nestlé strebt keine kurzfristige Optimierung an, sondern nachhaltige, langfristige Erhöhung der Profitablität.

So könnte eine Antwort an den Investor – dessen Hedgefonds sich übrigens durch maue Rendite auszeichnet – aussehen. Man kann davon ausgehen, dass sich die Nestlé-Spitze bereits vor dem Brief des Herrn Loeb Gedanken über dessen Themen gemacht hat. Vor dem Hintergrund seines Vorpreschens wird Loeb dann einen Teil des Beifalls für Veränderungen bei Nestlé für sich beanspruchen – ob das nun gerechtfertigt ist oder nicht.

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