Michael Kors: Es geht voran – aber nur langsam

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Mühsam ernährt sich das Eichhörnchen – das trifft auch auf die Aktienkursentwicklung von Michael Kors zu. Anders als im Vorquartal ist das Unternehmen diesmal nicht merklich vorwärts gekommen, der Rückgang bei den comps wird zwar nach und nach eingebremst mit neuen Produkten und schnellerem Kollektionswechsel, Wachstum ist jedoch noch nicht erkennbar.

Zwar übertreffen die Amerikaner die eigene Guidance, auch liegen sie top line und bei den comps besser als der Analysten-Konsens, beim Umsatz treffen sie den Konsens, aber sie geben top line 3,7% auf 1,088 Mrd. USD ab. Hauptgrund ist – wie bei Boss und anderen Modefirmen – eine strategisch bewusst getroffene Entscheidung, mit der Absatzrückgänge in Kauf genommen werden: Kors und andere hochwertige Marken haben sich aus bestimmten Wholesale-Vertriebskanälen in den USA zurückgezogen, die auch hochwertige Mode mit andauernden Rabattaktionen verkauft haben, um eigene comps zu pushen, die aber wegen rückläufiger Absätze mit Billigmode und anderen Produkten runtergerauscht sind.

Kors will aber wie auch Boss seine Marke schützen, weshalb der Wholesale-Umsatz um 16,67% auf 452,2 Mio. USD gesunken ist. Wegen des schwachen Publikums-Verkehrs in Shopping Malls, vor allem in den USA, stagnierte aber auch der Retail-Umsatz, in Europa legte der Retailumsatz zwar leicht zu, in den USA ging er zurück. Da Kors das Retailgeschäft in China/Südkorea vollständig übernommen hat (rd. 60 Mio. USD höherer konsolidierter Umsatz), steigt der berichtete Retail-Umsatz zwar um 12,1% auf 597,2 Mio. USD – aber die Comps sinken um 5,4% (vor allem in den USA, in Europa stagnieren die comps).

Der Rückgang der comps ist zwar etwas gebremst ggü. Q1 (-7,6% ), dennoch gibt Kors organisch auch im Retail weiter deutlich ab, nur der Online Shop, der nun auch weitgehend in Europa präsent ist, wächst nach den Worten von CEO Idol stark (Kors nennt da keine Zahlen, was nicht sehr transparent ist). Das Wachstum kommt also neben dem Online-Geschäft ausschließlich aus 118 neuen Stores (insgesamt 908). Kors geht davon aus, daß sich der Absatz auch FY nicht stark beleben wird, weshalb sie die FY-Guidance leicht senken (Umsatz auf 4,55 Mrd. USD von 4,75 Mrd. USD).
Bottom line haben sie diesmal stärker abgegeben, das Nettoergebnis sinkt um 16,67% auf 160,9 Mio. USD= 14,8% Nettomarge = -230 bps, wobei Hauptgrund Integrationskosten des China-Geschäfts sind, aber auch höhere Mieten für neue Flagship-Stores. Wegen der hohen Investitionen in neue Stores (auch wenn sie bei Neueröffnungen ggü. dem früheren Expansionstempo weiter bremsen) liegt die FCF-Marge 6M mit 11,56% (= 240,1 Mio. USD) unterhalb der 6M-Nettomarge von 14,8% (= 308 Mio. USD), CCR also nur 77,95%, sie verdienen aber wie im gesamten bisherigen Turnaround weiter sehr gut.

Da Kors weiterhin viele Aktien zurückkauft (in Q2 für rd. 250 Mio. USD, insgesamt wurden für rd. 1,5 Mrd. USD Aktien im lfden. Programm zurückgekauft, es stehen noch 350 Mio. USD zur Verfügung), weisen sie mittlerweile eine kleine Nettoverschuldung von 222,9 Mio. USD aus = 0,45x FCF FYe, da die zurückgekauften Aktien vernichtet werden, sinkt das EK um 15,8% auf 1,681 Mrd. USD = immer noch sehr hohe 61% EK-Quote. Die sehr hohe Bilanzqualität zeigt sich auch im langfr. Vermögen von 1,439 Mrd., dem 239,7 Mio. langfr. Verbindlichkeiten gegenüberstehen, der Geschäftsbetrieb ist ebenso komfortabel finanziert (kurzfr. Vermögen (1,32 Mrd., kurzfr. Verbindlichkeiten 832,3 Mio.).
Entsprechend klasse Werte für ROCE FYe 27,32% und ROE FYe 30,94%.

Enterprise Value, Fair Value und Discounted Cash Flow sind derzeit nicht sinnvoll zu berechnen, da Kors mitten im Turnarond steckt. Wenn Kors wieder Wachstum schafft, auch bei den comps, ist die Aktie jetzt sehr günstig bewertet, schaffen sie das nicht, ist die Aktie jetzt sehr teuer. Daher sollte man sich das Geschäft und das Zahlenwerk Quartal für Quartal anschauen, sie hatten drei Quartale mit Fortschritten beim Turnaround, diesmal hakt es, nicht nur wg. des Wholesale, sondern auch beim US-Retail, ihrem wichtigsten Markt. Die etwas gestutzte Guidance ist nicht ermutigend, aber vielleicht schaffen sie ein besseres Weihnachtsgeschäft als in der neuen Guidance geplant.

Es sollte bald eine schnellere Trendwende als bisher erkennbar werden, das schrittweise Einbremsen des Rückgangs bei den comps ist auf Dauer zu wenig. Eine Trendbeschleunigung im Weihnachtsgeschäft ist nicht notwendig.

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