Henkel: Top-Ergebnisse – und kein Ende in Sicht

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Henkel hat seine Quartalszahlen für das Q1/2017 (yoy) publiziert: Es war ein wirklich herausragendes Quartal, nochmals robuster und profitabler als die guten und sehr guten Vorquartale. Selbst im nordamerikanischen Consumer-Geschäft, das bei allen anderen Peers sehr soft war, ist Henkel organisch solide gewachsen; bottom line setzt sich die hohe Margendynamik unverändert fort: die oM und die bereinigte FCF-Marge wurden weiter gesteigert; der jüngste größere Zukauf Sun Products – Hersteller von Wasch-/Reinigungsmitteln im mittleren Preissegment in Nordamerika – ist weitgehend integriert und trägt, bereinigt um integrationsbedingte Einmalkosten, zum Margenwachstum bei; im Berichtsquartal wurden zwei kleinere Zukäufe getätigt (Darex Packaging, ein US-Hersteller von Kleb- und Verpackungsstoffen für Dosen; zudem Nattura, eine Haarpflegemarke im Friseurbereich, die vor allem in Mexiko, Kolumbien und Spanien beliebt ist sowie bei den Hispanics in den USA).

Im folgenden die wesentlichen Punkte:
⁃ Umsatz: +13,6% auf 5,06 Mrd. EUR (oW +4%, FX +1,1%, M&A +8,5% – wesentlich wg. Erwerb Sun)
⁃ Das oW war diesmal hauptsächlich absatzgetrieben (+3,9%), Preiserhöhungen (+0,1%) wurden dagegen nur sehr wenige durchgesetzt, der nur leicht positive Preiseffekt kam sogar hauptsächlich aus verbessertem Produktmix; CEO Van Bylen berichtete (wie schon vor ihm die CEOs sämtlicher Peers) von hoher Wettbewerbsintensität vor allem in den USA, auch in Westeuropa – da ist es ein Zeichen von Stärke, daß Henkel das oW nicht über absatzgetriebene Preissenkungen stimulieren mußte, sondern die Preise bei höherem Absatz stabil gehalten hat, auch wenn die im Berichtsquartal maue Preiskomponente (in den reifen Märkten) ganz klar das „Haar in der Suppe“ des starken oW ist; allerdings hat sich die Nachfrage in den USA wie bei den Consumer-Peers seit März zunehmend erholt, was für Q2 auch eine Erholung bei Preis/Produktmix erwarten läßt.
⁃ Sehr starkes oW erneut in den Schwellenländern mit +6,7% (Anteil am Konzernumsatz rd. 42,6%), in den reifen Märkten trotz des geschilderten wettbewerblichen Umfelds mit +2,1% oW (57,4%) klar besser als die Peers;
⁃ oW regional: Westeuropa +1,8%, Nordamerika +2,9% (stark!), Osteuropa +4,4%, Afrika/NO +2,2%, außerdem extrem dynamisches oW in Lateinamerika mit +8,2% und in Asien/Pazifik mit +9,1%;
⁃ oW nach Unternehmensbereichen: Adhesive +5,5% auf 2,3 Mrd. EUR (45,3% Konzernanteil) – das oW ist mehr als doppelt so hoch wie der Durchschnitt der Peer Group, besonders stark gewachsen ist das Geschäft mit der Elektronikindustrie (Smartphones etc.) mit zweistelligem Umsatzwachstum, aber auch Verpackung/Konsumgüter, Autos sind stark gewachsen, Bau und Consumer (Pattex, Pritt) haben solide zugelegt; Laundry/Home Care +3% auf 1,73 Mrd. EUR (wg. Sun berichtet +29,5%, Konzernanteil 34,2%) – auch dieses Geschäftssegment ist organisch fast doppelt so schnell gewachsen wie der Peers-Durchschnitt, besonders stark hat das Geschäft in den EM zugelegt, Preis/Mix wg. US-Wettbewerb allerdings -0,6% (wobei sich dies auf die im mittleren Preissegment positionierten Produkte von Sun beschränkt, die Premium-Produkte wie Persil konnten erneut teurer oder zu stabilen Preisen verkauft werden); Beauty/Personal Care: +2,3% auf 1,01 Mrd. EUR (20,5% Konzernanteil) – oW damit unter den besten drei der Peer Group (daneben L’Oreal und BD), hier war das oW hauptsächlich preisgetrieben (+1,8%, Absatz +0,5%), sowohl Preis als auch verbesserter Produktmix, und das oW war besonders im bei den Peers schwachen Nordamerika sehr stark, während der Absatz in China wie im Vorquartal schwächelte.
⁃ Das Ebit steigt mit +14,8% auf 854 Mio. EUR weiterhin stärker als der Umsatz (oM 16,3% = +20 bps), bereinigt um Einmaleffekte (M&A-Kosten, Konzernumbau) steigt die Ebit-Marge um 10 bps auf 16,9%. Der FCF steigt allerdings nur um 3,4% auf 300 Mio. EUR und erreicht diesmal lediglich 5,9% Marge – das ist allerdings hauptsächlich wc-bedingt, zudem hat Henkel im Berichtsquartal etwas mehr investiert als im Vorquartal; bereinigt um die wc-Effekte („owner earnings“ nach Buffett: Nettoergebnis plus Abschreibungen minus Capex; ich ziehe zudem die Veränderungen bei den Pensionsverpfl. ab) steigt der FCF um 23,6% auf 623 Mio. EUR = 12,3% bereinigte FCF-Marge; CCR 104,4%; FYe sollte die berichtete FCF-Marge lt. Guidance etwas über der berichteten FCF-Vorjahresmarge von 11,8% liegen.
⁃ Adhesive, das profitabelste Geschäftsfeld von Henkel, konnte seine oM um starke 180 bps auf 18,8% erhöhen, bei Laundry/Home Care ging die oM dagegen M&A-bedingt um 180 bps auf 15,9% zurück, und auch bei Beauty/Personal Care sank die oM leicht um 30 bps auf 14,7% (einmalige Restrukturierungsaufwendungen).
⁃ Nettofinanzschulden inkl. Pensionsverpfl. 2,9 Mrd. EUR (1,2x FCF FYe, der Erwerb von Sun für rd. 3 Mrd. USD wurde fremdfinanziert), nwc 4,9% (Verbesserung um 50 bps), EK +15,3% auf 15,73 Mrd. EUR (53,2% EK-Quote = -600 bps wg. Fremdfinanzierung Sun-Erwerb), das Vermögen (29,6 Mrd. EUR) übersteigt die Verbindlichkeiten (13,7 Mrd. EUR) um mehr als das Doppelte; ROCE FYe 13,15%, ROE FYe 15,6%.
⁃ EV 20,8x FCF FYe (2,1% Vz-Aktien werden von Henkel gehalten), FV DCF 127-135 EUR/Aktie.

Henkel wächst schneller und profitabler als der Durchschnitt der Konkurrenz und ist in zwei von drei Geschäftsfeldern Margenprimus, bei Beauty in der Margen-Spitzengruppe, hat wg. zunehmender Skaleneffekte vor allem bei Laundry (und als Weltmarktführer bei Klebstoffen sowieso) hohes weiteres Potential beim Margenwachstum, die Aktie ist etwas niedriger bewertet als der Durchschnitt der jeweiligen Peer Groups, gewohnt vorsichtige Guidance des Vorstands für 2017 (oW 2-4%, bereinigte Ebit-Marge >17%), Dividende +10,2% auf 1,62 EUR/Vz-Aktie (Ausschüttung für Stamm- und Vz.-Aktie zusammen rd. 700 Mio. EUR, das sind 31,1% des FCF von 2016, der Großteil des FCF wurde zur Schuldenreduktion eingesetzt).

Da kann man als Anleger nicht viel falsch machen.

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