Henkel: Bremsspuren durch die Hurrikane

Veröffentlicht am

Henkel hat kürzlich die Zahlen für das dritte Quartal 2017 veröffentlicht. Fazit: Der Düsseldorfer Konzern wächst solide bis teilweise stark, verdient blendend und hebt außerdem die FY-Guidance bottom line an:

  • Wieder beschleunigtes operatives Wachstum auf +3% nach leicht softem Vorquartal (Q2: +2,2%, Q1: +4%), berichtet +4,9% auf 4,98 Mrd. EUR, der starke EUR kostet derzeit viel Umsatz (4,2% – vor allem wg. des mittlerweile großen US-Geschäfts, wobei die Produktion dort ebenfalls sehr groß ist, daher fallen die Kosten ebenfalls in USD an),
  • M&A +6,1% (vor allem Zukauf Sun/Wasch- u. Reinigungsmittel in den USA im Volumenbereich, zudem werden Darex Packaging/Dichtstoffe für Metallverpackungen/Dosen, Sonderhoff/geschäumte Dichtstoffe und Dosieranlagen sowie Nattura Lab/bei Hispanics in den US sowie in Lateinamerika beliebte Friseurmarken seit Closing in Q3 erstmals konsolidiert;
  • der jüngste Zukauf, Zotos International, das ist das nordamerikanische Friseurgeschäft von Sisheido, wird erst nach Closing konsolidiert, vorauss. Q4); EM erneut mit starken +5% oW, Industriestaaten mit guten +1,5% oW (trotz softem Home/Beauty-Geschäft in einigen westeuropäischen Märkten, dafür USA gut), das oW ist vornehmlich absatzgetrieben (+2,4%), es wurden aber auch in allen drei Geschäftsbereichen (Adhesive, Home/Laundry und Beauty/Personal Care) weitere Preiserhöhungen durchgesetzt/der Preismix wurde verbessert (+0,6%);
  • Adhesive erneut mit starkem oW von 4,9% auf 2,37 Mrd. EUR (= 47,64% des Konzernumsatzes), davon Absatz +4,4% und Preis +0,5%, starkes Wachstum in allen Absatzindustrien und -regionen, Elektronik wächst weiter zweistellig, Auto, Bau/Handwerk und das Konsumentengeschäft (Pattex, Prit etc.) legen erneut im oberen einstelligen Bereich zu;
  • Laundry/Home softere +1,8% oW auf 1,64 Mrd. EUR (32,84% Konzernanteil als in H1, davon Absatz +1% und Preis +0,8%, starkes oW in EM und auch in den USA, was klasse ist, denn man muß berücksichtigen, daß Supermärkte und Drogeriemärkte in Texas und Florida über Wochen während der heftigeren Hurrikan-Saison geschlossen waren, zudem war die Produktion von Sun in Florida zeitweise gestört, schwächerer Absatz dagegen erneut in einigen Märkten in Westeuropa (F und I),
  • Beauty nach flat oW in Q2 zwar wieder mit leichtem +0,5% oW auf 941 Mio. EUR (18,89% Konzernanteil), aber Westeuropa ist wie schon in Q2 weiter mau, vor allem F und I (hoher Preiswettbewerb dort derzeit, also kein Absatzproblem, sondern ungünstigerer Preismix, das hatte zuvor auch Weltmarktführer L’Oréal berichtet, Henkel beschleunigt daher die Einführung von hochwertigen Produktneuheiten zur Verbesserung des Produktmix), USA dagegen trotz Hurrikans und weiterhin hoher Wettbewerbsintensität gut, und EM stark;
  • bereinigt um die derzeit höheren Einmalkosten für M&A/Integration (Sun, Darex Packaging, Sonderhoff, Nattura Lab; lt. CEO Van Bylen liegt die Integration sämtlicher Zukäufe über Plan, bereinigt um die Einmalkosten erhöhen sie außerdem die Konzern-oM) steigt die Konzern-oM um gute 40 bps auf 18% (ber. Ebit +7,1% auf 897 Mio. EUR), bei Adhesive steigt die bereinigte oM um 20 bps auf 19,1%, bei Laundry liegt sie flat bei 17,9%, bei Beauty steigt sie trotz des mauen oW um 60 bps auf 18,1% zu, was einem verbesserten Preismix in den USA und den EM sowie niedrigeren Werbekosten zu verdanken ist;
  • die FCF-Marge erreicht berichtet 10,76%, bereinigt um die o. g. Einmalkosten 13,03%, CCR bereinigt 115%, FY sollte die FCF-Marge berichtet bei rd. 11,4% landen, bereinigt leicht unter 13%, evtl. noch leicht höher, weil Henkel die FY-Guidance bottom line leicht angehoben hat;
  • Nettofinanzschulden (3,34 Mrd. EUR) inkl. Pensionsverpflichtungen (rd. 810 Mio. EUR) wg. der fremdfinanzierten Zukäufe (für rd. 5,9 Mrd. EUR in den letzten beiden Jahren) jetzt mit rd. 4,15 Mrd. EUR (rd. 1,8x FCF FYe) merklich höher als sonst, aber die sind bei dem starken FCF recht zügig wieder abgebaut, zudem mit die solideste Bilanz in allen drei Peer Groups mit 52,74% EK-Quote (+6,06% auf 15,02 Mrd. EUR), nwc mit 5,7% höher als bei reinen consumer staples (höheres nwc/Lager bei Adhesives wg. Großkundengeschäft), ROCE FYe solide rd. 12%, ROE FYe rd. 15,3%;
  • Enterprise Value mit 22x FCF FYe bzw. 19,5x FCF 2018 (bzw. 20,7x bereinigter FCF FYe) günstiger als Peers-Durchschnitt, obgleich leicht schneller wachsend und klar profitabler als Peers-Durchschnitt; FV DCF 129-136 EUR/Vz.-Aktie.

Zwar zeigte sich die Analystenzunft vom operativen Wachstum im Consumer-Bereich enttäuscht, weshalb die Aktie nach Veröffentlichung der Quartalszahlen abgab, aber man muß die Bremseffekte in den USA während der Hurrikans berücksichtigen, die heftig waren. Das tatsächlich derzeit gemischte Bild in Westeuropa sollte sich mit mehr Produktneuheiten nach und nach wieder aufhellen. Und bei Adhesives wächst Henkel als Weltmarktführer weiterhin sehr stark und verdient auch mehr als alle Peers, bei Laundry und Beauty ist Henkel jeweils unter den drei profitabelsten Peers, wächst zudem in den EM und in Nordamerika solide bis stark, auch in den meisten westeuropäischen Märkten.

Ergo: 96% des Konzerngeschäfts läuft solide bis stark, bei 4% besteht Handlungsbedarf. Aber erstens wünschen sich 99,9% aller börsennotierten Firmen eine solche Lage, und zweitens geht Henkel Baustellen erfahrungsgemäß konsequent an. So war zB das US-Konsumentengeschäft im letzten Herbst bis Frühjahr recht soft, jetzt läuft es prima, weil Henkel schnell und entschlossen gehandelt hat (mehr Produktneuheiten, mehr Werbung, mehr Effizienz), weshalb sich auch das Consumer-Geschäft in Südeuropa wieder beleben sollte.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.