Großbritannien: Mayday

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Theresa May spielt zwar nicht Fußball, aber sie hat ohne Zweifel das Eigentor des Jahres geschossen, zumindest in Großbritannien. Statt einer, wie von May gewünscht, „starken und stabilen Regierung“, endet die Wahl mit dem Verlust der absoluten Mehrheit für die regierenden Konservativen. Die Konservative Partei wird zwar weiterhin mit deutlichem Abstand über die meisten Sitze im Parlament verfügen, aber für eine Regierungsmehrheit einen Koalitionspartner brauchen. Damit ist offen, mit welcher Linie die neue Regierung – wie immer sie aussieht – in die Brexit-Verhandlungen geht, die zudem womöglich verschoben werden müssen.

Ein „weicherer Brexit“ wäre in der Tendenz günstiger für das britische Pfund als ein „harter“, da in diesem Falle mit weniger Handelsfriktionen zu rechnen wäre und Großbritannien, das ein hohes Leistungsbilanzdefizit ausweist, als Investitionsstandort für Direktinvestitionen („Sprungbrett auf den Kontinent“) attraktiver bliebe. Doch sind die Unsicherheiten rund um die britische Wahl, Regierungsbildung und den Brexit-Kurs groß; auch eine weitere Volksbefragung zum Brexit würde mittlerweile nicht mehr überraschen.

Trotz der zunehmenden konjunkturellen und politischen Unsicherheit ist davon auszugehen, dass die Entwicklung am britischen Aktienmarkt stark am britischen Pfund hängt und sich die negative Korrelation zwischen Aktienmarkt und Währung fortsetzt. Ein schwächeres Pfund sorgt für Rückenwind bei exportorientierten Titeln. Der exportlastige FTSE 100 sollte somit, in Pfund gerechnet, eine Outperformance gegenüber dem Euroraum erzielen. Dennoch stellt angesichts eines schwächeren Pfundes für in Euro rechnende Anleger der britische Aktienmarkt kein attraktives Chance-/Risikoverhältnis dar: Im laufenden Jahr konnte der FTSE100 zwar um 4,3% zulegen, in Euro blieben aber lediglich rd. 3% übrig. Der Euro Stoxx 50 konnte hingegen ein Plus von 8,4% erzielen. Der Märkte des Euroraums dürften von den Aussichten auf schwierige Brexit- Verhandlungen – wenn überhaupt – nur kurzfristig negativ betroffen sein. Danach sollte sich der Blick wieder stärker auf das derzeitige positive konjunkturelle Umfeld richten.

Das Wahlergebnis weckt Zweifel, ob die Briten tatsächlich auch fest hinter der Idee eines harten Brexit stehen – auch wenn im Wahlkampf andere Themen in den Vordergrund rückten (innere Sicherheit, Terroranschläe, fehlende Ausstrahlung der Pre- mierministerin). Aktuell ist die Unsicherheit groß.

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