Fielmann: Eine starke Bilanz und falsche Bescheidenheit 

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Der Optik-Konzern Fielmann hat seinen vollständigen Quartalsbericht vorgelegt. Bekannt war nach der Ad-Hoc-Mitteilung bereits, dass Fielmann in Q 3 schwach gewachsen ist und beim Nettoergebnis leicht abgegeben hat.

Aus dem Quartalsbericht geht nun folgendes hervor: 
Der Rückgang des Nettoergebnisses ist eine Folge höheren Materialaufwands (+9%) und höheren Personalaufwands (+6%, vorwiegend Lohnerhöhungen).

Der 9M-FCF wächst sage und schreibe um 78,34% auf 217,97 Mio. EUR. Das entspricht 21,51% FCF-Marge. Selbst wenn man die Abnahme von Finanzvermögen um rd. 65,6 Mio. EUR, das zu Handelszwecken gehalten wird herausrechnet, ist die derart bereinigte FCF-Marge um 270 bps auf 15,1% gestiegen. Das ist eine starke Leistung. Es zeigt sich, dass Fielmann seinen Vorsprung bei der Profitabilität im Vergleich zu seinen Peers weiter ausbaut. 

Das net cash (inkl. aller langfristigen Rückstellungen) steigt um rd. 17 Mio. auf 333,34 Mio. EUR, die EK-Quote ist mit 72,79% extrem hoch, die kurzfristigen Vermögenswerte mit 503,4 Mio. EUR sind massiv höher als die kurzfristigen Verbindlichkeiten mit 209 Mio. EUR, und das langfristige Vermögen (379,6 Mio. EUR) übersteigt die langfristigen Verbindlichkeiten (30,5 Mio. EUR) um ein Vielfaches. Das ist eine der solidesten Bilanzen auf dem deutschen Kurszettel. Entsprechend hoch sind ROCE und ROE mit 64,5% bzw. 31,1%.

Auch wenn die Aktie mit rd. 24,5x FCF FYe (auch hier der geringere bereinigte FCF) nicht günstig ist – bei der hohen Ertragskraft, der extremst starken Bilanz, dem robusten Geschäft und dem weiter hohen Wachstumspotential ist die Aktie attraktiv. Der Fair Value nach DCF beträgt 67-74 EUR.
Kritisieren kann und muss man Fielmann wegen seiner Kommunikation: Statt in der Ad-Hoc-Mitteilung die GuV pingelig und kleinteilig abzuarbeiten, hätten die Fielmänner ergänzend erwähnen können, dass sie Cash bis zum Abwinken produzieren, mehr als doppelt so viel auf jeden Umsatz-EUR wie z.B. der Konkurrent Apollo, dass die Kapitalverzinsungen extrem hoch und die Bilanz bärenstark ist. All das hätte man durchaus gesetzter Formulierung vortragen können. Warum das nicht passiert ist, lässt den Betrachter rätseln: Unfähigkeit in Kommunikationsfragen oder falsche Bescheidenheit – oder beides? 

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