Die Tücken der Low Volatility Stocks: Wenn der Wunsch nach Sicherheit riskant wird

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Das Streben nach Sicherheit kann sehr gefährlich sein. Das zeigt sich an den sogenannten Defensivaktien, im angloamerikanischen Sprachraum werden sie oft „low volatility stocks“ genannt. Aufgrund der vielen Krisen und Unsicherheiten wurden diese Aktien – oft Unternehmen, die Güter des täglichen Bedarfs produzieren, was sie wenig konjunktursensibel macht – in den vergangenen Jahren stark nachgefragt. Mit den sinkenden Zinsen entdeckten viele Anleger diese Aktien mit ihren soliden Dividendenzahlungen zusätzlich noch als Zinsersatz, was die Bewertung in den vergangenen Jahren stark nach oben trieb.

Doch seit einigen Wochen sind die defensiven, scheinbar sicheren Aktien komplett out. Nestlé, Novo Nordisk, Bayersdorf – als die Masse der Anleger diese Aktien entdeckt hatte, war die Spitze in den Kursen auch bereits erreicht. Viele Anleger halten jetzt an diesen Aktien fest, weil eine Nestlé, eine Novo Nordist, oder eine Bayersdorf so nachhaltige Erträge und Dividenden aufweisen. Das stimmt, und in fünf Jahren werden diese Aktien wohl auch höher notieren, aber die Zwischenzeit kann sehr ungemütlich werden.

Inzwischen haben sich die Rahmenbedingungen entscheidend geändert. Denn die Renditen bei den zehnjährigen OS- Anleihen steigen signifikant, es bildet sich ein neuer Trend. Dabei sind die Leitzinsen nur zweitrangig, es geht um die Bondrenditen mit Laufzeiten von 5 Jahren und länger. Und die steigenden Renditen drücken nun deutlich auf die Kurse der „low volatility stocks“. Das dürfte sich wahrscheinlich fortsetzen, da ein Infrastrukturprogramm plus Steuersenkung, sowie es U.S. Präsident Trump es avisiert, in der Regel zu weiter steigenden Zinsen am langen Ende führt. Unabhängig wie FED, EZB und die Bank of Japan ihre Leitzinsen verändern: Die genannten Maßnahmen werden auf längere Sicht inflationsfördernd wirken, der Bondmarkt wird dies antizipieren. Dieser Prozess läuft.

Sollten die angekündigten Maßnahmen von US-Präsident Trump tatsächlich umgesetzt werden und dann auch Wirkung entfalten, dürfte die U.S. Konjunktur nochmals an Fahrt gewinnen. Dann werden Güter des täglichen Bedarfs, sowie sie die „low volatility stocks“ Unternehmen produzieren, auch weiterhin gut nachgefragt werden. Ein Umsatzrückgang wäre aus fundamentaler Sicht nicht zu erwarten.

Das Problem ist jedoch, dass schon eine Normalisierung der Bewertungsrelationen den low volatility stocks das Risiko einer erheblichen Kursverminderung beschert.

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