Der Verfallstermin am 17. März wirft seine Schatten voraus

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Wie so oft in den vergangenen Monaten entwickelten sich die Märkte auch in dieser Woche anders als viele Investoren erwartet hatten.

In seiner mit Spannung erwarteten Rede hielt sich US-Präsident Donald Trump erneut mit Details zu den versprochenen Wirtschaftsprogrammen zurück. Im Vorfeld war die Meinung auf dem Parkett ziemlich eindeutig: Liefert Trump keine Fakten, werden die Märkte enttäuscht reagieren. Viele setzten daher auf eine Fortsetzung der kleinen Korrektur und wurden mit ihren Short-Positionen auf dem falschen Fuß erwischt. Als die erhoffte Bewegung Richtung Süden ausblieb und der DAX nach oben drehte, liefen die Short-Bestände immer deutlicher ins Minus. Je weiter der DAX zulegte, desto mehr Leerverkäufer mussten zur Verlustbegrenzung ihre Bestände glattstellen und den Index zurückkaufen. Diese Eindeckungskäufe (Short-Squeeze) waren neben weiteren Faktoren einer der Hauptgründe für die stramme Erholungsbewegung.

Eine ähnliche Entwicklung könnte sich in den kommenden Tagen wiederholen, wie ein Blick auf die aktuellen Positionierungen der Stillhalter für den großen Verfall in rund zwei Wochen am 17. März vermuten lässt. Bevor wir uns mit den Daten beschäftigen, zunächst ein paar Hintergrundinformationen.

Stillhalter setzen auf wertlosen Verfall

Jeweils vier Mal im Jahr, am dritten Freitag im März, Juni, September und Dezember verfallen am Terminmarkt Optionen und Futures. Hier tummeln sich vor allem professionelle Marktteilnehmer. Über Futures und Optionen sichern Investoren große Wertpapierpositionen ab und spekulieren auf bestimmte Marktbewegungen. Am Ende der Laufzeit einer Option (Settlement) stellt sich dann heraus, ob die Strategen richtig gelegen haben oder nicht. Interessant ist dabei die Perspektive aus Sicht der Stillhalter, also der Verkäufer einer Option.

Für diese Gruppe wäre es vorteilhaft, wenn die Papiere wertlos auslaufen, um so die Optionsprämien zu vereinnahmen. Oft werden die Kurse zuvor in die gewünschte Richtung bewegt mit dem Ziel, eine möglichst günstige Abrechnung zu erreichen. Genügend Kapital ist bei dieser Investorengruppe zweifellos vorhanden. Anleger können daher über die Positionierungen der Profis recht gute Prognosen für den DAX ableiten. In den vergangenen Monaten haben wir dies bereits mehrfach auf Basis des Open Interest (Kontrakte die noch nicht glattgestellt oder ausgeübt wurden) gezeigt.

Kampf um die runde Schwelle

Schauen wir dazu auf die aktuellen Positionierungen am Optionsmarkt (erster Chart). Sehr große Call-Positionen (grüne Balken) liegen an der 12.000er-Marke und somit auf dem nun wieder erreichten Niveau. Mit dem gestrigen Anstieg dürften die Stillhalter nun schlaflose Nächte haben und hoffen, dass der DAX nicht weiter steigt. Höhere Kurse wollen sie nach Möglichkeit vermeiden. Andernfalls würden viele Calls ins Geld laufen und zu Verlusten führen. Zwar dürften einige Stillhalter mit der DAX-Erholung zur Wochenmitte bereits etliche Call-Positionen abgesichert haben. Dennoch ist die Bedeutung der runden Marke nicht zu unterschätzen.

Eindeckungskäufe könnten den DAX an die Rekordmarke treiben

Knapp oberhalb der 12.000 verläuft auch die nördliche Begrenzung des Aufwärtskanals, auf den wir zuletzt täglich in der DAX-Analyse hingewiesen haben. Sollte der Markt aus dem Aufwärtskanal nach oben ausbrechen und somit eine Trendbeschleunigung zeigen, erscheint selbst ein Test der Rekordmarke bei 12.390 in den kommenden Tagen nicht ausgeschlossen. Für dieses Szenario scheinen die Strategen am Terminmarkt allerdings kaum vorbereitet zu sein. Oberhalb von 12.000 Punkten zeigt das Verfallstags-Diagramm kontinuierlich zunehmende Call-Positionen, denen nur sehr wenige Puts (rote Balken) entgegenstehen (blauer Kasten).

Steigt der Markt weiter, würden die Calls alle ins Geld laufen und müssten von den Stillhaltern ebenfalls abgesichert werden. Eine ähnliche Entwicklung wie am Mittwoch könnte sich daher in den kommenden Tagen in abgeschwächter Form wiederholen und den DAX weiter Richtung Norden tragen. Als letzte Verteidigungslinie der Shorties ist die Rekordmarke bei rund 12.400 Punkten zu sehen, an der ebenfalls viele Calls liegen. Erst darüber würde der Absicherungsdruck langsam nachlassen.

Risiko scheint begrenzt

Noch aber sind die Würfel nicht gefallen. Fällt der DAX zügig wieder unter die 12.000er-Marke und zeigt der Markt ein ähnliches Muster wie Ende Januar und Februar, wäre kurzfristig nicht mehr mit einer erneuten Rückeroberung zu rechnen. Auf der Unterseite gilt es aus Sicht der Terminmarkt-Positionierungen auf Marken zu achten, an denen möglichst viele Papiere wertlos verfallen. Die zweite Grafik zeigt die Summe der Calls und Puts. Aus Sicht der Stillhalter wäre eine Abrechnung bei 11.500 / 11.600 sehr willkommen, hier würden gut 25.000 bis 35.000 Papiere auslaufen.

Szenarien bis zum Verfall

Verteidigt der DAX zum Wochenschluss die jüngsten Gewinne und zeigt anders als zuvor keine Schwächesignale, erscheint ein durch Eindeckungskäufe untermauerter (finaler) Aufwärtsimpuls von rund drei Prozent in den kommenden Tagen bis in den Bereich der Rekordmarke bei knapp 12.400 wahrscheinlich. Gewinne darüber hinaus sind hingegen kurzfristig nicht zu erwarten. Fällt der DAX deutlich unter 12.000, wären bis zur Monatsmitte weitere Abgaben bis 11.500/11.600 einzuplanen.

Eine Entscheidung dürfte bereits in den nächsten Tagen erfolgen. Schon jetzt rückt die Fed-Sitzung am 15. März immer stärker in den Vordergrund. Zuletzt ist die Wahrscheinlichkeit für eine Zinserhöhung in den USA kräftig gestiegen. Je näher der Termin rückt, desto mehr Investoren dürften sich mit größeren Neuengagements bedeckt halten. Gegen Ende der kommenden Woche könnte daher die Risikobereitschaft deutlich abnehmen. Sollte sich der DAX dann noch im Dunstfeld der 12.000 befinden, steigen die Chancen für eine Abrechnung an der runden Marke.

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