Der Ölmarkt schmiert ab – warum?

Veröffentlicht am

In der vergangenen Woche rutschten die Öl-Notierungen kräftig ab und es kam charttechnisch zu mehreren bearishen Signalen. Was war passiert?

Das US-Energieministerium hatte einen deutlichen Anstieg der US-Rohöllagerbestände um 8,2 Millionen Barrel auf ein neues Rekordniveau gemeldet. Der Zuwachs lag erheblich über den Schätzungen der Analysten. Zudem sind damit die US-Rohöllagerbestände nun schon seit mittlerweile neun Wochen in Folge gestiegen. Der Grund dafür ist, dass auch die US-Rohölproduktion stetig ansteigt. In der Vorwoche legte sie nach den Daten des US-Energieministeriums auf knapp 9,1 Millionen Barrel pro Tag und damit auf das höchste Niveau seit über einem Jahr zu. Und dieser Trend dürfte anhalten. Laut aktueller Schätzung der US-Energiebehörde wird die Produktion Ende 2018 die Marke von 10 Millionen Barrel pro Tag erreichen. Das entspricht immerhin einem Anstieg um rund 5,3 Prozent pro Jahr!

Der Chef des US-Schieferölunternehmens Continental Resources sah sich vor dem Hintergrund dieser Zahlen sogar veranlasst, davor zu warnen, dass die US-Schieferölindustrie den Ölmarkt „töten“ könne, wenn die Produktion zu stark ausgeweitet würde.

Und so ging es am Ölmarkt mit den Preisen seit Mittwoch kräftig nach unten. Zumal durch die aktuellen US-Daten natürlich erhebliche Zweifel am Erfolg der OPEC-Förderkürzungen aufkommen. Der Preis für ein Barrel der Sorte WTI fiel alleine am Mittwoch um 5,4 Prozent auf zeitweise 50,06 Dollar und verzeichnete damit den prozentual höchsten Tagesverlust seit gut einem Jahr. Anschließend rutschte WTI auch noch klar unter die Marke von 50 Dollar und damit auf den tiefsten seit über einem Vierteljahr.

So passt der Ölpreiseinbruch natürlich hervorragend zu der EZB-Erwartung, dass die jüngsten Inflationsanstiege nur temporärer Natur seien. Denn inzwischen ist die Ölpreiserholung nicht nur längst ausgelaufen, der Ölpreis hat sich auch von seinem Trendhoch vom 12. Dezember 2016 bei 56,79 USD mittlerweile wieder spürbar entfernt und notiert mit aktuell nur noch 49,60 USD fast 13 Prozent tiefer. Damit wird wohl die Inflation in nächster Zeit wie bereits beschrieben wieder deutlich geringer ausfallen.

Und damit passt derzeit wieder alles zusammen. Insbesondere die Zurückhaltung der EZB im Hinblick auf eine Straffung der Geldpolitik macht nun aus Draghis Blickwinkel umso mehr Sinn. Dabei darf man auch nicht vergessen, dass die Arbeitslosigkeit in der Eurozone im Schnitt noch immer bei knapp zehn Prozent und in einigen Ländern deutlich höher liegt. Und damit ist der Lohndruck noch gering. Ohne steigende Löhne wird es nicht zu einer nachhaltig stärker anziehenden Inflation kommen.

tags [Ölpreis, Anstieg der US-Rohöllagerbestände, Inflationsanstiege nur temporär?]

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.