Das Börsengeschehen kurz vor den Wahlen in Italien und Österreich

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Kurz vor den Abstimmungen in Italien und Österreich am kommenden Sonntag halten sich viele Strategen mit neuen Positionen zurück und werden keine großen Risiken eingehen. Bereits seit einigen Tagen liegt das Handelsvolumen auf Xetra nur noch im Bereich von rund zwei Mrd. Euro und damit deutlich unter dem Durchschnitt der vergangenen Monate von knapp drei Mrd. Euro. Doch es könnte auch nur die Ruhe vor dem Sturm sein.

Ab Montag steigen die Chancen auf einen volatileren Handelsverlauf. Ob der DAX allerdings noch seinen Rückstand gegenüber den US-Märkten aufholen kann, muss bezweifelt werden. Seit Jahresbeginn liegt der international vergleichbare DAX-Kursindex (DAX K) gut vier Prozent im roten Bereich. Der MDAX steht rund zwei Prozent tiefer, der TecDAX büßte hingegen um acht Prozent ein, wie die folgende Übersicht zeigt.

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Deutlich schlechter fällt die Bilanz für die Indizes der Euro-Peripherieländer aus. Für den spanischen IBEX 35 ging es seit Januar rund zehn Prozent nach unten, in Portugal (PSI 20) steht die Börse 17 Prozent tiefer und der FTSE MIB verlor rund 25 Prozent. Der italienische Aktienmarkt leidet bereits seit Monaten unter Kapitalabflüssen und zählt zu den wenigen Märkten, die unter ihrer 200-Tage-Linie notieren. Die Gewinner der vergangenen elf Monate dürften hingegen kurzfristig ihre relative Stärke weiter ausbauen, sofern die Börsenstimmung freundlich bleibt. Dazu gehören nicht nur die amerikanischen Indizes, auch die Leitbörse in Wien (ATX) hinterlässt einen guten Eindruck und liegt seit Jahresbeginn rund vier Prozent höher. Gerade vor dem Hintergrund der anstehenden Wahlen lohnt es sich, die charttechnische Ausgangslage an den Märkten in Italien und Österreich genauer zu untersuchen.

Italien unter Druck

Einen guten Überblick vermittelt der abgebildete Wochenchart zwischen dem FTSE MIB und dem DAX (Kursindex, unten). Während das deutsche Blue Chip-Barometer im Sommer den 200-Tage-Durchschnitt (hier die 40-Wochen-Linie, violett) nachhaltig zurückeroberte und auf einem vergleichbaren Niveau steht wie im ersten Halbjahr 2014, fällt das Kursbild für den italienischen Markt wesentlich negativer aus. Sollte die jüngste Seitwärtsbewegung zwischen 15.900 und 17.400 auf der Unterseite aufgelöst werden, droht ein Test des Jahrestiefs bei etwa 15.000. Wird hingegen das Wahlergebnis von der Börse gut aufgenommen, besteht zumindest Erholungspotenzial bis an die zähe Barriere bei 17.150 (200-Tage-Linie) / 17.400.

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Vorerst ist aber – auch vor dem Hintergrund der politischen und konjunkturellen Lage – eine Fortsetzung der Seitwärtsbewegung das wahrscheinlichste Szenario.

Hingegen gewinnt der ATX vor allem seit dem Sommer kräftig an Relativer Stärke und legte um rund 25 Prozent zu. Die seit wenigen Wochen anhaltende Konsolidierung ist auf die überhitzte Marktlage zurückzuführen. Zuletzt ist der ATX zu schnell gestiegen, der Abstand zur 200-Tage-Linie von rund elf Prozent deutete eine Übertreibung an. Mit der Seitwärtsbewegung ist die Differenz auf aktuell acht Prozent gefallen. Erst allmählich besteht somit aus statistischer Sicht wieder genügend Potenzial für den nächsten Sprung nach oben.

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