Brexit: Die unerwartet starke Verhandlungsposition der Briten

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Während in den Medien die Sorge um einen harten Breit und seine Folgen diskutiert wird, zeigen sich die Anleger alles andere als besorgt. Der britische Leitindex FTSE 100 präsentiert sich seit mehreren Monaten als einer der stärken europäischen Indizes.
Doch spielen wir das Breit-Szenario einmal kurz durch – mit überraschenden Ergebnissen: Angenommen, die Brexit-Verhandlungen scheitern – was extrem unwahrscheinlich ist, weil alle Seiten, Politik und Wirtschaft, beiderseits des Ärmelkanals ein maximales Interesse an einer vernünftigen Lösung haben, die sie politisch gut verkaufen können. Was passiert dann im schlimmsten Fall?
  • UK senkt die Unternehmenssteuern, wie von Premierministerin May angekündigt, unabhängig von den Brexit-Verhandlungen, auf 10-15%. Das ist – zusammen mit dem schwächeren GBP ein Magnet für mehr Industrieproduktion in UK.
  • UK kann der Europäischen Freihandelszone EFTA beitreten, der heute Norwegen, CH, Island und Liechtenstein angehören. Die EFTA ist eine Freihandelszone und bildet mit den EU-Mitgliedsländern den Europäischen Wirtschaftsraum (EWR). Im gesamten EWR gelten die Rechte und Pflichten des Europäischen Binnenmarktes. Ergo: Mit einem EFTA-Beitritt könnte UK ohne Zölle und ohne nicht-tarifäre Handelshemmnisse Handel mit der EU betreiben, müßte alle Rechte und Pflichten des EWR akzeptieren, könnte aber mit Dritten eigene Freihandelsabkommen schließen, die nicht dem EWR angehören.
  • UK kann Visa für Arbeitskräfte aus der EU erteilen, wenn Firmen für diese Arbeitskräfte einen konkreten Arbeitsplatz vorweisen. So machen es die USA auch mit EU-Bürgern. UK kann die Einwanderungspolitik selbstbestimmter konfigurieren.
Ergo:
1. UK hat eine sehr starke Verhandlungsposition, auch wenn die EU-Politiker gerne öffentlichkeitswirksam die Backen aufblasen.
2. Die Industrieproduktion und damit die Konjunktur in UK profitiert selbst im schlimmsten Fall eines Scheiterns der Brexit-Verhandlungen.
3. Die gegenwärtige Abwertung des GBP gegenüber dem EUR erscheint vor diesem Hintergrund deutlich übertrieben.

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