Apple: Die Gewinn-Maschine läuft

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Apple hat kürzlich Quartalszahlen Q4 2016/17, yoy – vorgelegt. Die zentralen Erkentnisse:

⁃ Nach dem schon starken Q3 meldet Apple nun ein echtes Monster-Quartal mit zweistelligem Wachstum (+12,22% auf 52,58 Mrd. USD). Der Umsatz in China ist mit 9,8 Mrd. USD so hoch wie seit dem Outblow-Weihnachtsquartal 2015 nicht (damals Vermarktungsstart des iPhone 6 Plus), und legt dort nach sechs meist soften bis vereinzelt schwachen Quartalen mit 11,57% auf 9,8 Mrd. USD stark zu, vor allem wie schon in Q3 in Festland-China (Hongkong FX-bedingt weiterhin recht mau). Für Europa und Amerika meldet Apple unverändert sehr starke zweistellige Wachtumsraten von 19,9% auf 13 Mrd. USD bzw. von 14,19% auf 23,1 Mrd. USD, der Rest von Asien ist mit -4,7% auf 6,67 Mrd. USD diesmal schwach, weil der Umsatz in Japan gesunken ist (-10,78% auf 3,85 Mrd. USD, allerdings vorwiegend FX-bedingt).

⁃ Auch ohne das iPhone X wurden erneut mehr iPhones verkauft (+2,6% auf 46,68 Mio. Stück), der ARPU beim iPhone bleibt mit 617,99 USD (-0,1%) nahezu stabil, obgleich (a) Apple in Indien enorm wächst (+34% lt. CEO Cook im Analysts Call), was sehr erfreulich ist, wo allerdings wg. der dortigen im Vergleich zu anderen Schwellenländern niedrigen Durchschnittseinkommen das günstige iPhone 5 SE besonders beliebt ist, und (b) Mobilfunker vor der Einführung des 8er und des X ihr Lager mit Aktionspreisen fürs iPhone 7 und 6 geleert haben, weshalb aus den channel inventories lt. CFO Maestri im Call merklich geringere ARPU kamen. Das Absatzwachstum beim iPhone ist auch deshalb bemerkenswert, weil der Großteil der Analystenzunft sich aufgrund einzelner Daten aus der supply chain mit Prognosen über sinkende Absätze geradezu überboten. Auch wenn das erneut illustriert, daß supply chain-Daten für Absatzprognosen nichts taugen (CEO Cook kann das noch hundertmal vortragen), fürs nächste Quartal zimmern die Analysten verläßlich an ihren Absatzprognosen auf der Grundlage von Zulieferer-Daten, wie Pressemeldungen in diesen Tagen zeigen.

⁃ Besonders bemerkenswert: der Absatz der iPads und der Mac legt deutlich zu, und das sogar zu merklich steigenden ARPU, all das hat es seit Jahren nicht mehr gegeben (iPad: Absatz +11,14% auf 10,33 Mio. Stück und Umsatz +13,54% auf 4,83 Mrd. USD; Mac: Absatz +10,23% auf 5,39 Mio. Stück und Umsatz sogar 24,93% auf 7,17 Mrd. USD). Die Gründe: Apple kommt im Enterprise-Geschäft immer besser vorwärts; so setzen nun GE und Accenture das iPad unternehmensintern mit unternehmesspezifischen Apps ein. Zudem hat Apple zum Schuljahresbeginn die Angebote für Schulen insbes. in den USA, China und Japan hochgefahren.

⁃ Die Wachstumsraten des Service-Geschäfts mit dem „ecosystem“ der Apps, der Cloud-Dienste etc. beschleunigen sich nochmals, echter Wahnsinn: +34,4% auf 8,5 Mrd. USD, bereinigt um einen von Apple nicht spezifizierten positiven Einmaleffekt in Höhe von 640 Mio. USD (mE eine Erfolgszahlung von Google für die Voreinstellung der Google-Suchmaschine auf Apple-Geräten, für die Google Gerüchten nach rd. 3 Mrd. USD p. a. fix an Apple plus Erfolgsprovision zahlt) sind es +24,28%. Apple Pay wächst in den USA derzeit schneller als PayPal, die Anzahl der Bezahltransaktionen von Apple Pay legt mit 330% zu (klar, noch von kleinerer Basis), Apple Music hat inzwischen 30 Mio. zahlende Abonennten und wächst schneller als die Konkurrenz. Auch der Umsatz mit „other products“ (Watch, TV, Beats etc.) wächst mit 36,16% auf 3,23 Mrd. USD sehr dynamisch, vor allem die Watch, deren Absatz um 75% zugelegt hat. Apple ist mit Abstand der Weltmarktführer im Uhrengeschäft und baut seinen Vorsprung weiter aus.

⁃ Mittlerweile ist der Verkaufsstart des iPhone X erfolgt, die Zeitungen sind voll von Fotos mit Warteschlangen vor den Apple Stores, Cook berichtete im Call von einer sehr hohen Anzahl an Online-Vorbestellungen. All das erinnert an das Weihnachtsquartal 2015 bei der Einführung des 6 Plus. Entsprechend hoch steigt der Konsens für den Umsatz im Weihnachtsquartal: Apple hat eine Guidance von 84,9 Mrd. USD herausgegeben, das wäre neuer Rekord, der Konsens liegt mal wieder höher bei 86 Mrd. USD – das Stöcklein wird halt immer höher gelegt, wenn es gut läuft, irgendwann sind die Analysten dann trotz starken Wachstums wieder „enttäuscht“, wenn die geistesgestörten Konsensanhebungen nicht übertroffen werden.

⁃ Das Ebit steigt um 11,56% auf 13,12 Mrd. USD, oM 24,95% (-15 bps), weil die GM um 11 bps auf 37,91% sinkt (wohl wg. teurerer Komponenten – zB der neue Prozessor, die neue Kamera – des iPhone 8) und wg. höherer F&E-Aufwendungen (+15,84% auf 3 Mrd. USD – wobei der Aufwand für F&E mit rd. 5% FY und für Capex mit leicht unter 6% FY weiterhin überschaubar ist). Im Berichtsquartal ist die FCF-Marge mit 22,1% (11,62 Mrd. USD) gewohnt stark, CCR 108,46%; auch FY erreicht die FCF-Marge diesen Wert, im Gesamtjahr hat Apple gigantische 50,8 Mrd. USD FCF geschafft,🔨 CCR 105,07%.

⁃ Entsprechend wächst das net cash auf über 153 Mrd. USD an, und das EK wächst um 4,52% auf 134,05 Mrd. USD (EK-Quote 35,72% = -415 bps wg. höherer Schulden, aus denen Aktienrückkäufe und Ausschüttungen finanziert werden); nwc sehr effiziente -12,16%. FY hat Apple mit 45,67 Mrd. USD für Aktienrückkäufe (32,9 Mrd. USD) und Dividenden (12,77 Mrd. USD) rd. 72,2% des FCF an die Aktionäre zurückgegeben.

⁃ Da das net cash rd. 19 Mrd. USD höher ist als das Eigenkapital, läßt sich das ROCE selbst mit dem von mir seit langem verwendeten „Apple-Trick“ nicht ermitteln (Abzug einer 10%-Steuer bei Repatriierung von 90% des im Ausland gehaltenen net cash, das ist rd. 94% des net cash). Erst, wenn man zusätzlich annimmt, daß Apple die so ermittelten 116,5 Mrd. USD netto ausschüttet (plus 12,9 Mrd. USD Repatriierungssteuer zahlt), also danach ein net cash von rd. 23,6 Mrd. USD verbleibt, ergibt sich ein mühsam konstruiertes, aber eindrucksvoll hohes ROCE von 45,99%. Schüttet Apple brutto die Hälfte des o. g. Betrags aus, erreicht das ROCE dagegen gigantische 111,04% … jedenfalls ist die Kapitalverzinsung extrem hoch, selbst wenn net cash Null betrüge: das ROE beträgt 37,9%.

⁃ Enterprise Value jetzt 14,42x FCF bzw. 11,97x FCF 2017/18e. Für den weltweit größten consumer staples (so sieht Buffett Apple nach eigenem Bekunden wg. der robusten, stetigen Nachfrage nach den Hardware-Produkten und nach den ecosystem-Diensten, der hohen Kunden-Loyalität und der extrem starken Lifestyle-Marke) ist das trotz des ansehnlichen Kursanstiegs in USD günstig bewertet.

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