Apple: Das wertvollste Unternehmen der Welt wird noch wertvoller

Veröffentlicht am

Apple ist an der Börse wieder in. Nach Bekanntgabe der Jahreszahlen werden hier einige Aspekte behandelt, die aus Investorensicht bedeutsam sein sollten:

1. Bekanntlich haben Absatz und Umsatz des iPhones gegenüber dem Rekord-Vorjahresquartal nochmals um jeweils rd. 5% und damit weit über Konsens (der lag bei +2%) zugelegt, das sind also rd. 3,5 Mio. mehr abgesetzte Geräte (78,29 Mio. vs. 74,78 Mio., also exakt ein um 4,69% höherer Absatz) und ein Umsatzplus mit iPhones von 5,32% auf 54,38 Mrd. USD. Allerdings war das günstigere 5SE im Vorjahresquartal noch nicht am Markt (das kam im März 2016). Folglich hat der Absatz entweder des aktuellen iPhone 7 oder der kumulierte Absatz der iPhones 7, 6s und 6 stagniert oder ist gesunken. Allerdings berichtete CEO Cook im Analysts Calls, daß die Nachfrage nach dem 7er, vor allem nach dem teureren 7er Plus, weltweit höher sei als die aktuelle Produktionskapazität, die ihrerseits ein historisches Niveau erreicht habe; die Nachfrage vor allem nach dem Plus-Gerät erreichte lt. Cook einen neuen historischen Rekordwert. Da die Produktionskapazität nicht über Nacht hochgefahren werden kann, hätte Apple im Berichtsquartal folglich noch mehr 7er/7 Plus verkaufen können. Die latente Nachfrage nach dem iPhone und auch nach dem 7er/7 Plus ist also noch größer und robuster als die Absätze zeigen. Das gilt, obgleich mE viele iPhone-Nutzer, die das 5er oder das 6er haben, mit einem Upgrade auf das 8er warten, weil damit gerechnet wird, daß das 8er einen größeren Innovationssprung mit sich bringt als vom 6er aufs 7er. Auch wenn die Upgrade-Nachfrage lt. Cook einen neuen Rekordstand erreicht hat, muß sich der starke iPhone-Absatz weiterhin auch aus einer großen Neukundengewinnung speisen. Darauf weisen die massiv steigenden Service-Umsätze (s. u.) hin. Cook verwies im Call darauf, daß im Dezember mehr neue iPhones aktiviert worden sind als jemals zuvor und auch die Downloads von Apps im Dezember mit einem Umsatz von 3 Mrd. USD (80% davon verbleiben bei Apple, externe Entwickler erhalten 20%) ein neues Rekordniveau erreicht hätten.

2.Trotz des iPhone 5SE ist der Durchschnittsumsatz beim iPhone um weitere rd. 4,50 USD pro Gerät gestiegen. Cook berichtete im Analysts Call, daß sich gerade das 7er mit kostenpflichtiger Zusatzausstattung (leistungsstärkere Prozessoren) und das teurere 7 Plus mit doppelter Kamera sehr gut verkaufen. Vor drei Jahren betrug der ARPU beim iPhone 636,90 USD, aktuell liegt er bei 694,50 USD. Die Hochpreisstrategie von Apple ist demnach weiter richtig, die Preiselastizität der Nachfrage ist also auch bei deutlich höherem ARPU unverändert gering, wie der erneute Rekordabsatz und die hohe latente Nachfrage nach dem 7er/7 Plus trotz höherer Preise illustrieren. Apple muß hierbei offensichtlich noch nicht einmal Innovationsführer in jedem und allem sein; es reicht weiterhn, wenn Apple mit seiner extrem beliebten Marke insgesamt vergleichbare Features wie andere hochpreisige Geräte bietet, und da packen sehr viele Kunden dann nochmals ein paar teure Extras in ihr iPhone 7/7Plus rein. Der entscheidende Vorteil bleiben also die Markenstärke kombiniert mit dem effizienten und nützlichen „ecoysstem“ der Services und der extrem einfachen Handhabbarkeit der Software.

3.Während Apple in Nord- und Südamerika mit +9% ungebrochen robust wächst, in Europa mit +3,3% diesmal etwas softer, in Japan mit +20,28% sehr dynamisch, in den anderen asiatischen Märkten (ohne „Greater China“ und Japan) robust mit +8%, ist der Umsatz in „Greater China“ (Volksrepublik China, Hongkong, Macau) erneut geschrumpft, diesmal um 12% – was in der Wirtschaftspresse als bedenklich bezeichnet wurde. Im Call wiesen Cook und CFO Maestri gleichwohl darauf hin, daß
⁃ein Drittel des berichteten Minderumsatzes FX-bedingt ist, weil der Yuan ggü. USD yoy nachgegeben hat, organisch sind es also -8%;
⁃der Umsatz in der Volksrepublik China flat ist und somit das Rekordniveau des Vorjahresquartals erreicht hat (sic), bereinigt um den ggü. USD yoy gesunkenen Yuan das alte Rekordniveau sogar um 2% übertroffen wurde (sic). Das ist ggü. den letzten Vorquartalen, in denen der Umsatz in der Volksrepublik China um bis zu einem Viertel zurückgegangen war, eine wirklich sehr erfreuliche Entwicklung. Der Umsatzrückgang kam diesmal aus Hongkong, wie Cook im Call mitteilte. Woran es lag, wurde nicht erläutert. Aber es wäre nicht das erste Mal, daß Apple selber und/oder Mobilfunknetzbetreiber die Nachfrage unterschätzt und ein zu kleines Lager aufgebaut haben. Da zudem der Hongkong-Dollar ggü. dem USD yoy zugelegt hat, kann es sein, daß Touristen in Hongkong weniger Apple-Produkte nachgefragt haben.

4.Die Service-Umsätze (Apps, Cloud, Pay etc.) sind diesmal mit +18,43% auf 7,17 Mrd. USD leicht langsamer gestiegen als in den Vorquartalen (jeweils rd. +20-22%), wenn auch weiter sehr dynamisch. Gleichwohl hatte das Berichtsquartal eine Woche mehr als das Vorjahresquartal. Aber: im Vorjahresquartal war im Service-Umsatz eine Zahlung aus Patentverletzungen in Höhe von 548 Mio. USD enthalten, bereinigt um die beiden Effekte einer Kalenderwoche mehr vs. Umsatz aus Patentzahlung sind die Services also um 20,9% gewachsen (7,17 Mrd. USD Umsatz innerhalb von 14 Wochen sind wöchentlich 512 Mio. USD Umsatz, also bereinigter Umsatz von 6,66 Mrd. USD; im Vorjahresquartal bereinigter Umsatz von 5,51 Mrd. USD, berichtet 6,06 Mrd. USD). Also ist alles im „grünen Bereich“ bei den Service-Produkten – dieses Geschäft wächst unverändert dynamisch. Cook äußerte, Apple wolle den Service-Umsatz in den kommenden vier Jahren nochmals verdoppeln, also will Apple das bisherige Wachstumstempo von rd. 20-22% p. a. beibehalten.

5.Der Mac legte beim Absatz um 1% auf 5,37 Mio. Einheiten zu, beim Umsatz sogar um 7% auf 7,24 Mrd. USD, wohl weil das Berichtsquartal die ersten Umsätze des neuen und teureren MacBook Pro enthält. Also auch hier gilt: die Preiselastizität der Nachfrage bei Apple ist sehr gering, gerade, wenn die dann teureren Geräte mehr Features bieten.

6.Dagegen geht der iPad-Absatz weiter zurück (um 18,86% auf 13,08 Mio. Einheiten, der Umsatz sinkt um 21,9% auf 5,53 Mrd. USD) – wohl vor allem, weil derzeit das Surface von Microsoft besser nachgefragt wird; zudem dürfte es wie bisher eine gewisse Kannibalisierung des Absatzes kleinerer iPads durch das große iPhone 7 Plus geben.

7.Der Umsatz mit „anderen Produkten“ (TV, Beats, Watch, iPod etc.) ist ebenfalls weiter rückläufig (-7,52% auf 4,02 Mrd. USD). Das liegt gleichwohl nicht an der iWatch, die lt. Cook im Quartal den höchsten Absatz seit Produkteinführung hatte. Auch Apple Pay wächst lt. Cook weiter stark; so wurden im Dezember die bisher höchste Anzahl an Transaktionen geschafft.

8.Der um 3,27% (Konsens: 2,5%) auf 78,35 Mrd. USD gestiegene Konzernumsatz (ein neuer Rekord, mit dem das bärenstarke Vorjahresquartal noch übertroffen wurde) ist FX-bereinigt sogar noch höher ausgefallen. Lt. Maestri hat der starke USD rd. 1,2 Mrd. USD Umsatz gekostet.

9.Die Rohmarge sinkt um 159 bps auf 38,51%, wobei 80 bps des Rückgangs FX-bedingt ist. Dennoch zeigt sich, daß der Absatz der teureren iPhone 7 Plus- Geräte mit leistungsfähigeren, aber auch teureren Features (2 Kameras, schnellere Prozessoren) die COGS pusht und auf die Rohmarge drückt. Es kann allerdings auch sein, daß Apple zudem bereits Lager aufbaut für Komponenten des künftigen iPhone 8, von dem noch leistungstärkere, damit auch im Einkauf kostenintensivere Features erwartet werden.

10.Das operative Ergebnis sinkt wegen der höheren COGS und auch infolge höheren F&E-Aufwands (+19% auf 2,87 Mrd. USD) um 3,36% auf 23,36 Mrd. USD = 29,81% oM (-205 bps).

11.Wegen der etwas geringeren operativen Marge und wg. kleinerer Änderungen im working capital (geringere Forderungen und leicht größeres Lager) schafft der FCF anders als der Umsatz diesmal keinen neuen Rekord: der FCF sinkt um 0,54% auf 23,72 Mrd. USD = 30,28% FCF-Marge (-116 bps). Dennoch: eine FCF-Marge von rd. 30% ist selbst für Apple als extrem profitable Firma und auch für ein starkes Weihnachtsquartal ein sehr guter Wert – und man muß ja sehen: es sind sage und schreibe 242 Mio. USD FCF jeden Kalendertag! Apple schafft also pro Kalendertag einen höheren freien Barmittelzufluß als die meisten MDAX-Werte in einem ganzen Geschäftsjahr (!).

12. Net Cash 158 Mrd. USD (!!!), EK 132,39 Mrd. USD = 40% EK-Quote, NWC rd. 2,7% des Umsatzes, kurzfr. Vermögen (103,3 Mrd. USD) deckt die kurzfr. Verbindl, (84,1 Mrd. USD) mehr als ab, das langfr. Vermögen (227,81 Mrd. USD) ist doppelt so hoch wie die langfr. Verbindlichkeiten (114,62 Mrd. USD), im Quartal wurden für 10,85 Mrd. USD Aktien zurückgekauft/vernichtet und eine Quartals-Dividende in Höhe von 3,13 Mrd. USD ausgezahlt, ROE FYe 37,6%, ROCE FYe wie immer bei Apple wg. des gigantisch hohen net cash, welches das gigantisch hohe EK noch übertrifft (daher Nenner beim ROCE negativ …) nur zu bestimmen, wenn man annimmt, daß sie den Großteil des im Ausland gehaltenen Cash repatriieren und versteuern, da kommt man bei 10% Repatriierungssteuer und angenommenen 100 Mrd. repatriiertem Betrag und anschließender Ausschüttung/Aktienrückkauf inkl. Aktienvernichtung (Annahme: Ausschüttung/Rückkauf kumuliert 100 Mrd. USD) auf ein ROCE FYe von rd. 58%. Genaueres kann man erst sagen, wenn klar ist, wieviel Apple wann repatriiert, wie hoch der Steuersatz ist, und was Apple dann an die Aktionäre zurückgibt. Jedenfalls dürfte die Kapitalverzinsung extrem hoch bleiben … Cook äußerte im Call, die Repatriierung sei ein „Vorhaben mit Priorität“. Schön für uns Aktionäre!

13.EV 10,2x FCF FYe – also trotz des Kursanstiegs seit der Korrektur im letzten Sommer um rd. 40% nach wie vor äußerst günstig bewertet (Fair Value mE nach DCF 180-220 USD/Aktie, hierbei habe ich ein geringes FCF-Wachstum und einen Exit-Multiple von nur 15 angenommen). Dies gilt allemal dann, wenn sie mit dem iPhone 8 einen weiteren Volltreffer landen (denn mit rd. 69% Umatzanteil ist das iPhone weiter die größte cash cow bei Apple) und das sehr profitable Service-Geschäft weiter dynamisch wächst. Dann kommt hinzu, daß sie ihre Marktpräsenz in Indien deutlich ausbauen wollen, das sollte eine langfristig interessante Wachstumsquelle werden.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.