Aktuelle Prognose Aktienmarkt

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So mancher Anleger am amerikanischen Aktienmarkt dürfte sich seit Wochen verwundert die Augen reiben. Während Analysten im Vorfeld der US-Wahlen vor einem Sieg von Donald Trump warnten und kräftige Kursverluste bei den Dividendentiteln vorhersagten, sieht die Realität ganz anders aus. Seit Anfang November kletterte der Dow Jones um rund 15 Prozent, zuletzt schraubte das bekannteste Börsenbarometer der Welt nahezu täglich seine Bestmarke nach oben. Elf Tagen in Folge zog der Index an, dies entspricht der längsten Gewinnserie seit Januar 1987.

Trotz der bereits kräftigen Aufwärtsbewegung rechnen die meisten Strategen mit weiter steigenden Kursen. Sowohl die Stimmung unter den nordamerikanischen Fondsmanagern wie auch den Börsenbriefschreibern ist euphorisch. Nur die Kleinanleger haben zuletzt in die Aufwärtsbewegung hinein verkauft. In der Vergangenheit waren ähnlich große Differenzen zwischen (optimistischen) Profis und (eher skeptischen) Privatanlegern häufig im Bereich von Hochpunkten an den Märkten zu beobachten.

Mit den anziehenden Notierungen nimmt auch die Gefahr einer Übertreibung zu. Vor zwei Jahren leitete die EZB mit ihrem überraschend kräftigen Anleihekaufprogramm für einige Woche eine beeindruckende Rally an den Aktienmärkten ein. Seit der US-Wahl hat Donald Trump diese Rolle mit seinen vollmundigen Versprechungen übernommen. Inzwischen sind bereits sehr viele Vorschusslorbeeren eingepreist, Fakten blieb die neue US-Regierung bisher aber schuldig. Mit großer Spannung wird daher die Rede von Trump am Dienstag vor dem Kongress in Washington erwartet. Investoren erwarten endlich Details zu den Wirtschaftsplänen. Bisher dominiert am Markt vor allem das Prinzip Hoffnung. Ob Trump aber auch tatsächlich umfangreiche Infrastrukturprogramme, Steuererleichterungen und Deregulierungsmaßnahmen liefern und umsetzen wird, steht auf einem anderen Blatt.

Wie geht es also an der Wall Street weiter? Die Antwort auf diese Frage ist nicht nur für Anleger wichtig, die am US-Aktienmarkt handeln, sondern natürlich auch für den DAX. Ohne die Unterstützung der US-Indizes würde der heimische Leitindex nicht in Sichtweite seiner Bestmarke notieren. Für eine umfassende Analyse ist es wichtig, nicht nur die reinen charttechnischen / statistischen Signale auszuwerten, sondern weitere Indikatoren zu berücksichtigen. Das Problem: Da der Index auf Rekord notiert, können relevante Marken auf der Oberseite mit Hilfe klassischer Ansätze kaum noch seriös prognostiziert werden. Mit dieser Spezial-Analyse stellen wir einige Analysemöglichkeiten vor, die dennoch gute Hinweise liefern.

Signale der Charttechnik

Auf Basis charttechnischer Vorgaben besteht kein Zweifel, der Trend beim US-Leitindex S&P 500 ist auf kurz- mittel- und langfristiger Sicht nach oben gerichtet. Bereits seit Frühjahr 2016 weist die viel beachtete 200-Tage-Linie (violett) Richtung Norden, auch der Monatsdurchschnitt zieht kräftig an. Die Serie steigender Hoch- und Tiefpunkte zeigt einen intakten Aufwärtstrend, die Käufer bestimmen das Marktgeschehen. Um potenzielle Ziele auf der Oberseite zu bestimmen, liefert die Höhe der Korrekturformation von Anfang 2016 einige Hinweise. In der Spitze fiel der Index um rund 15 Prozent (roter Balken). Nachdem die Schlüsselregion um 2120 zurückerobert wurde, kann aus der Höhe der Korrektur ein Kursziel nach oben projiziert werden, das ungefähr bei 2440 Punkten liegt (grüner Balken).

Fazit: Die Zielregion hat der Markt nahezu erreicht, es fehlen nur rund drei Prozent. Anleger die investiert sind, sollten (Teil-)Gewinnmitnahmen vornehmen.

Signale der Kerzenanalyse

Ergänzend zur klassischen Charttechnik darf auch der Blick auf die Kerzen nicht fehlen. Der Kerzen- oder auch Candlestick-Chart stellt die Preisbewegungen mit Eröffnungs- und Schlusskurs sowie Höchst und Tiefstkurs dar. Damit beinhaltet diese Chartform weitaus mehr Kursinformationen als ein Linienchart.

Um die mittelfristigen Kursperspektiven einzuschätzen, hilf der Wochenchart. Seit fünf Wochen in Folge zieht der Index an und signalisiert einen ungezügelten Optimismus. Besonders positiv sind die zuletzt ausgebildeten langen weißen Kerzen, der Wochenschluss entsprach meist auch dem Wochenhoch. Dies zeugt von einer ungebrochen stabilen Nachfrage, Erschöpfungstendenzen sind nicht zu erkennen. Aber alle guten Dinge gehen irgendwann zu Ende und so ist es auch hier nur eine Frage der Zeit, bis sich nicht mehr genügend Käufer finden.

Fazit: Lange Gewinnserien sind an der Börse nicht selten und bieten erstklassige Chancen. Wie lange die aktuelle Rally noch laufen wird, ist vollkommen offen. Erfahrungsgemäß liefern aber Wochenkerzen gute Hinweise. Wenn die Körper kleiner werden (Schlusskurs entspricht ungefähr dem Eröffnungskurs (blaue Pfeile)) oder die Kerzen einen oberen Schatten aufweisen (Wochenhoch wurde nicht gehalten (roter Pfeil)), steigt die Wahrscheinlichkeit für eine Konsolidierung deutlich an.

Signale des Prognose-Korridors

Während wie beschrieben klassische Analyseansätze seit Wochen an ihre Grenzen stoßen, spielt die Differenzmessung zu wichtigen Durchschnitten ihre Stärke aus. Mit einem Abstand von gut zwei Prozent zur 21-Tage-Linie hat der Index sein kurzfristiges Potenzial nahezu ausgeschöpft. Entsprechend steht der Kurs im oberen Bereich des grau eingezeichneten Prognose-Korridors. Nur sehr selten entfernte sich der Index in der Vergangenheit um bis zu vier Prozent, maximal wäre somit kurzfristig ein Anstieg bis ungefähr 2410 möglich.

Langfristig fällt das Fazit ähnlich aus. Mit einer Differenz von 8,6 Prozent zur 200-Tage-Linie steht der S&P 500 so weit über seinem viel beachteten Durchschnitt wie zuletzt Anfang 2014 (violette Linie unter dem Chart). Nur nach vorherigen Crash-Phasen entfernte sich der Index um bis zu 20 Prozent (2009). Eine solche Ausgangslage liegt aktuell aber nicht vor.

Fazit: Auf allen relevanten Zeitebenen ist noch ein wenig Luft nach oben. Maximal wäre derzeit noch ein Anstieg bis 2410 bzw. 2420 Punkte vorstellbar, dies entspricht einem Potenzial von gut zwei Prozent. Zugleich erscheint das Risiko einer (gesunden Atempause) deutlich erhöht. Rücksetzer bis an die 200-Tage-Linie waren in der Vergangenheit mehrfach zu beobachten und entsprechen aktuell einem Verlustrisiko von rund acht Prozent. Für Neueinsteiger ist das Chance-Risiko-Verhältnis daher denkbar ungünstig.

Signale der Marktbreite

Bis Anfang Februar war das Fundament der Aufwärtsbewegung noch gesund. Mit dem jüngsten Aufwärtsimpuls ist der Markt allerdings in eine Übertreibungsphase gelaufen. Vor wenigen Tagen notieren etwa 80 Prozent der Aktien im Index über ihrem Monatsdurchschnitt. Als Faustformel gilt: Ab einer Quote von 80 bis 95 Prozent steigt die Wahrscheinlichkeit für ein Markthoch deutlich an. Inzwischen ist die Kennzahl auf 74 Prozent gefallen. Wie passt das zusammen? Nun, derzeit halten vor allem Indexschwergewichte wie Apple die US-Indizes noch oben, während aus den mittleren und kleineren Werten Kapital abgezogen wird. Dies zeigt sich bereits deutlich an der relativen Schwäche des Russell 2000 (Index der Small-Caps) zum S&P 500. Der hier abgebildete Chart zeigt die Ausgangslage beim Dow Jones, die vergleichbar ist mit der beim S&P 500.

Fazit: Aktuell liegt keine deutliche Übertreibung bei der Marktbreite vor. Allerdings wird das Eis langsam dünner, nur noch wenige Papiere halten die Indizes oben. Hält der Trend an, drohen die Optimisten einzubrechen. Aber auch eine erneute, marktbreite Erholung kann nicht ausgeschlossen werden.

Signale der Saisonalität

Durchschnittsverläufe auf Basis von mehreren Jahren liefern ebenfalls gute Hinweise über mögliche Tendenzen. Auf Basis der vergangenen 20 Jahre errechnet zeigt der S&P 500 in den ersten beiden Monaten häufig ein Konsolidierungsmuster mit kräftigen Gewinnen im März und April. Oft bildet der Markt im Sommer ein Hoch aus, während der Zeitraum von August bis Oktober meist von markanter Kursschwäche gekennzeichnet ist. Anschließend startet vielfach eine typische Jahresendrally. In 2017 hält sich der Index aber bisher nicht an die Vorgaben, der Durchschnittsverlauf sollte daher mit erhöhter Skepsis berücksichtigt werden.

Fazit: Auch feinere Analysen wie die Untersuchung von Nachwahljahren oder 7er-Jahre liefern derzeit keine befriedigenden Ergebnisse. Sehr häufig wird aber in 7er-Jahren ab Anfang August ein wichtiges Jahreshoch erreicht, dem nicht selten kräftige Verluste folgen. Gerade das zweite Halbjahr könnte sich somit als sehr schwierig erweisen.

Schlussfolgerung:

Unter dem Strich bleibt festzuhalten, dass es derzeit keine belastbaren Indizes für ein bereits erreichtes Markthoch gibt. Sowohl die Dynamik, die Marktbreite, Kurszielprojektion und auch die Abstände zu Gleitenden Durchschnitten lassen dem Index noch Spielraum bis knapp über die 2400er-Marke. Ob das Potenzial noch ausgeschöpft wird, ist vollkommen offen.

Fakt ist aber, dass die US-Aktienmärkte eher am oberen Limit angekommen sind und eine Atempause näher rückt. Wer die Rally bisher verpasst hat, sollte auf ein besseres Chance-Risiko-Verhältnis warten. Neueinsteiger hoffen auf einen Rücklauf an die 200-Tage-Linie. Anleger, die mit Buchgewinnen engagiert sind, sollten (Teil-)Gewinnmitnahmen vornehmen oder den Positionen Short-Papiere gegenüberstellen. Entsprechende Absicherungen über Put-Optionsscheine sind wegen der seit Monaten niedrigen Volatilität sehr günstig. Die Schwankungsbarometer auf mittel- und längerfristige Sicht werden am Terminmarkt bereits deutlich höher gehandelt und lassen vermuten, dass einige Profis im Frühjahr/Sommer stärkere Kursbewegungen erwarten.

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